Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-974723
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Spanien. 
manische, auf Deutschland oder das nördliche Frankreich hinwei- 
sende Züge. S0 haben in der noch ziemlich frühen romanischen 
Kirche S. Maria de Villamayorö) die Kapitäle durchweg die 
aus dem Würfel und Kelch zusammengesetzte Form, die Bogen- 
friese eine Proiilirlmg und Ausstattung des Gesimses, wie sie 
nur in Deutschland vorzukommen pflegen. Aehnliche nordische 
Motive haben die Kreuzgänge des schon erwähnten Klosters de las 
Huelgas und des ebenfalls castilischen Klosters BencvivereM). 
Ein schönes reiches Portal nordisch-romanischen Styls fand Guhl 
in einer Kapelle des Domes zu Burgos, offenbar als Ueberrest 
eines früheren Baues, und ein ähnliches mit Eckblättern der Basis 
steht an der Kirche S.Pedro in Olite im KönigreicheNavan-afßkß). 
In allen diesen Bauten, welcher Schule sie sich auch anschliessen, 
zeigt sich eine phantastische Neigung, namentlich kommt es oft 
vor, dass die Arbeiter eine Ueberraschung hervorzubringcn ge- 
sucht haben, indem sie dem Steine eine Form gaben, die von ge- 
wissen Punkten aus das Bild einer thierischen Gestalt oder mensch- 
licher Gesichtszüge mehr andeutet als darstellt 
Anfangs hatte schon der Hass der streitenden Völker die 
christliche Architektur vor jedem maurischen Eintlusse bewahrt. 
Allmälig aber milderte sich die Schroffheit des Gegensatzes. Die 
Kriege führten zu Friedenss chlüssen und Verträgen, die inneren 
Zwistigkeiten der Christen und Mauren unter einander zu vor- 
übergchender Waffengemeinschaft mit den bisherigen Feinden, 
und als endlich am Ende des XI. Jahrhunderts Alfons VI. Toledo, 
die Residenz eines Kalifen, eroberte und aus manrischem Palaste 
auch über maurische Unterthanen herrschte, als er Münzen mit 
lateinischer und arabischer Inschrift prägen liess , und eine Ka- 
lifentochter auf seinen Thron erhob, hatte man keine Ursache, die 
an sich harmlose Eleganz maurischer Formen völlig zu verschmä- 
hen. In der That finden wir nun besonders in dieser erst neuer- 
lich den Mauren abgewonnenen Stadt, aber auch wohl ausserhalb 
1') Monumentos. Lief. 16. 19. 
u) Villa Amil I. Taf. 5. 
i") Villa Amil m. Taf. 43. 
1-) Beispiele aus S. M. de Villamayor und aus der alten Kathedrale von 
Salamanca in den Monumentos Lief. 19 u. 18. 
        

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