Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-974715
Französischer 
Einfluss. 
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S. Martinß) einen südfranzösischen, jedoch mannigfach moditicir- 
tenEintiuss erkennen. Sie sind dreischiffig, mit niedrigen Seiten- 
schiffen, aber ohne Oberlichter, mit einem, jedoch nicht ausla- 
denden Kreuzschiffe, einer Kuppel auf der Vierung, übrigens 
aber mit grader Decke, und endlich mit drei Conchen schliessend. 
In S. Millan und in S. Martin zeigen besonders die schönen rund- 
bogigen Portale mit der reichen Entfaltung der Archivolten bei 
mässiger Vertiefung, in der letzten auch mit langgezogenen 
Statuen den französischen Einfluss. .Beide Kirchen haben durch- 
aus keine Seitenfenster, sondern erhalten alles Licht von Westen 
und Osten, was damit zusammenhängt, dass nach einer in dieser 
Provinz und in der benachbarten von Guadalajara herrschenden 
Sitte auf beiden Seiten offene, von Pfeilern und Säulen gebildete 
Portiken angelegt sind. Bei S. Lorenzo, WO diese Anlage fehlt, 
bestehen die Fenster in schmalen rundbogigeil Oeffnungen, die 
aber von einer breiteren auf Säulen ruhenden Arcade umgeben 
sind. Die Kapitale sind mannichfach bald mit Rankengewinden 
oder Blattwerk, bald mit phantastischen Thiergestalten, die 
Bögen häulig mit Zickzacklinien geschmückt, die Conchen äusser- 
lich durch Halbsäulen , die bis an das Dach reichen, getheilt, die 
Gesimse mit Damenbrettmustern, auch wohl mit Consolen verziert. 
Sehr bestimmt ist der südfranzösische Charakter am Chore 
des berühmten Nonnenklosters de las Huelgas bei Burgos, der 
seit 1180 errichtet ist, in dem ganz wie in der Kathedrale der 
Altstadt Carcassone oder in St. Philibert in Tournus auf den Kapi- 
tälen der achteckigen Pfeiler eine Halbsäule ohne Basis auf- 
stehtW), welche ohne Zweifel darauf berechnet war, die Quer- 
gurten eines, später durch ein Kreuzgewölbe ersetzten Tonnen- 
gewölbes zu tragen. 
Indessen sind diese Anklänge an südfranzösische Bauweise 
nicht so vorherrschend, wie man es nach der geographischen Nähe 
annehmen könnte, vielmehr mischen sich damit häufig mehr ger- 
 Daselbst S. Millm Lief. 3, 12, 15. S. Lorenzo 4, 7, 8. S. Martin 5, 16. 
V81. auch Gailhabaud, Yarch. du V. an XVI. siöclß und Glxupuy m. a. 
Inon. 186. 
n] Vgl. den Chor bei Villa Amil Vol. II. S. 2 mit der Säule aus 
Oarcassonne bei Viollet-le-Duc III. 494. 
VII. 40
        

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