Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-974548
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Sicilische 
Architektur. 
Deutlicher und günstiger zeigt sich der Anschluss an tosca- 
nische Vorbilder an den Palästen, welche die jetzt zu fürstlicher 
Macht gelangten Barone ihrem Reichthume und ihrer kriegeri- 
schen Stellung entsprechend anlegterl. Wie an den florentinischen 
Palästen steigt das Aeussere in wohlbehauexien Quadern mit ho- 
hem undurchbrochenem Unterbau und hochgelegenen mehrtheili- 
gen Fenstern stolz und drohend empor, während die innern Höfe 
hier oft in mehreren Stockwerken von Arcaden auf Marmorsäulen 
mit korinthischen Kapitäleil umgeben, leicht und in fürstlicher 
Eleganz erscheinen. Eine kolossale Anlage dieser Art ist der 
Palazzo Chiaramonte (1307-1380), jetzt die Dogana, zu Pa- 
lermo, eigenthümlicher aber der Palazzo Sclafani daselbst (1330). 
jetzt Ospedale grande, an dem von unten auf Lisenen aufsteigen, 
welche oberhalb des die Fenstertragendeil Gesimses dieselben mit 
durchschneidenden Bögen umschliessenää). An einem andern, 
wahrscheinlich auch von den Chiaramonti erbauten Palaste un- 
fern der Kirche del guadagno bei Palermo sind die zweitheiligen 
spitzbogigen Fenster mit Zickzackornamenteix vielfarbig ausge- 
legt, ähnlich der Chorseite des Doms von Monreale oder der Fa- 
cade des Doms von Cefalüäßä). Andere theils einfachere, theils 
ähnlich geschmückte Paläste finden sich in Taormina, Bandazzo, 
Siracusa u. a. 0331314). 
Um das Ende desXIVJahrhunderts beginnt der Geschmack 
zu schwanken. An S. Maria della catena zu Palermo-f) ist 
bei der leichten und graciösen, wahrscheinlich bald nach 1392 er;- 
bauten Vorhalle an Stelle des hohen, gestelzten Spitzbogens ein 
gedrückter Kreisbogen getreten, und während dies schon eine 
Hinneigung zur Renaissance zu verrathen scheint, hat die Kathe- 
drale von Messina ohne Zweifel erst im Anfange des XV. Jahr- 
hunderts ein Hauptportal in dem ausschweifenden Geschmack des 
Bamboccio erhalten H), mit gewaltigem von Figuren bedecktem 
 Gally Knight Tab. 78. Hittorf im Frontispiz. 
M) Abbildung in Cäsar Daly, Rev. de l'Arch. V01. XII. Tab. 14 col. 115. 
Der verlassene Palast heisst in der Volkssprache Torre de" Diavoli. 
ä") Näheres bei de Marzo I. 338 ff. Cäsar Daly, Rev. de l'Arch. XV. 
col. 190. 
1'] Hittorf, Taf. 49. 
f?) Daselbst Taf. 3. Die Statuen der Fialen sind spätem Ursprungs.
        

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