Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-974468
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Neapel 
im 
XIV. Jahrhundert. 
Andrea Ciccione, der schon in das XV. Jahrhundert hineinreicht, 
in der Malerei aber ausser einem Filippo Tesauro, besonders ein 
Maestro Simone mit seinen Schülern Stefanone und Francesco di 
maestro Simone gefolgt seien. Allein die Namen dieser Meister 
finden sich in keiner Urkunde oder Inschrift, und ihre Existenz 
beruht nur auf den Angaben gewisser neapolitnnischer Schrift- 
stellerij, welche in jüngster Zeit theils vollständig widerlegt, 
theils doch höchst zweifelhaft geworden sind. Namentlich scheint 
jener neapolitanische Meister Simone, da als sein Hauptwerk je- 
nes erwähnte Bild des grossen Senesers angeführt wird,nur durch 
ungenaues Lesen der Inschrift auf demselben entstanden zu sein. 
Das einzige erhaltene und inschriftlieh bezeichnete Gemälde eines 
einheimischen Meisters des XIV. Jahrhunderts ist eine Tafel in 
S. Antonio Abate im Borgo von Neapel, welche den genannten 
heiligen Abt mit langem, fliessendem weissen Barte zwischen an- 
betenden und musicirenden Engeln darstellt, ursprünglich das 
Mittelbild eines Altarwerkes, dessen Flügel auch noch vorhanden, 
aber stark übermalt sind, mit der Inschrift: Nicholaus Tommasi 
de Flore pictor, A. D. MCCCLXXI M). Die Composition ist steif 
symmetrisch, die Zeichnung ohne Tiefe des Ausdrucks, die M0- 
dellirung weich und allgemein, und der Künstler erscheint als ein 
Wenig bedeutender Nachfolger Gi0tt0's, von dem er sich jedoch 
ü] Bernardo de' Domenici, Vite de" pittori, scultori ed architetti Na- 
politani, die erste Ausg. 1742. Er folgte seinerseits den noch jetzt hand- 
schriftlich erhaltenen Aufzeichnungen cines Malers und Notars Gio. Angele 
Crescuolo aus der zweiten Hälfte des XVI. Jahrh., welche nicht bloss ohne 
Kritik, sondern augenscheinlich mit dem leidenschaftlichen Wunsche ge- 
schrieben sind, der Stadt Neapel die Ehre einer eigenen Schule zu ver- 
schaffen. Die völlige Unglaubwürdigkeit beider Schriftsteller ist theils von 
Schulz Bd. III. S. 145, theils [und bei der verzögerten Herausgabe seines 
Werkes schon vor ihm) von dem Neapolitaner Luigi Catalani, Discorsi su" 
monuinenti patrii, Nap. 1342 und durch Ilermann Hettner, die neapolita- 
nische Malerschule, in Schwegler's Jahrbüehern der Gegenwart, 1846, 
S. 109 ff. dargethan. 
M) Vergl. die Abbildung bei Aginconrt, peinture. tab. 130, 131, auf der 
jedoch die Inschrift nach de Domenici unrichtig gegeben ist. Schulz, III. 171. 
In den Urkunden lernen wir nur ein Mal einen einheimischen Maler kennen, 
den Meister Bartholomaeus von Aquila, der im Jahre 1328 Zahlung für die 
Wandgemälde einer Kapelle in S. Chiara empfängt, a. a. 0. IV. Nro. 390. 
Diese Gemälde sind jedoch nicht erhalten.
        

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