Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-974448
598 
Süd-Italien. 
Anjou, und noch jetzt ist in Capua am römischen Thore eine 
überlebensgrosse Statue des Kaisers erhalten, welche zwar starr 
und ohne Ausdruck ist, aber doch einen Meister verräth, der sich 
in diesen Verhältnissen mit Sicherheit und mit einem gewissen 
Gefühl für Würde zu bewegen Wusstet). Allein auch diese An- 
regung hatte keine weiteren Folgen und die Gestaltenbiltlung sank 
überall, wo die einheimische Kunst sich selbst überlassen blieb, 
in die alte geistlose VVeise zurück. Noch die reichen Sculpturen, 
mit welchen König Robert das Portal der Kathedrale von Alta- 
mura schmücken liess, sind völlig ausdruckslos, und an dem um 
1360 entstandenen Portale von S. Caterina zu S. Pietro in Gala- 
tina sind neben den fein ausgeführten antikischen Ornamenten die 
Gestalten Christi und der Apostel auffallend stumpf und roh, mit 
kurzen Verhältnissen, breiten Nasen und starr hervorspringenden 
Augen am).  
Diese Schwäche der einheimischen Kunst verursachte dann 
vom Ende des XIII. Jahrhunderts an die Zuziehung fremder 
Meister. Die Franzosen, welche die Anjouls begleiteten, waren 
ohne Zweifel überwiegend Architekten gewesen und jedenfalls 
erhielten in der Plastik und Malerei die Toscaner sehr bald den 
Vorzug. Ob Niccolb und Giovanni Pisano hier gewesen, wie 
Vasari erzählt, mag dahin gestellt bleiben, wohl aber wird Ar- 
nolfo, der, wie wir wissen, im Jahre 1'277 im Dienste des Königs 
Karl in Rom beschäftigt war, vorher in Neapel gearbeitet haben, 
da sich diese Verbindung sonst nicht erklären liesse. Auch be- 
weist der entschieden pisanische Styl der Figuren an den Kan- 
zeln zu Sessa und Ravello schon einen Einfluss dieser Schule. 
Seit dem Anfange des XIV. Jahrhunderts nimmt die Anwesen- 
heit oberitalienischer Künstler bedeutend zu und namenllicl] hat- 
ten sie, wie es scheint, an König Robert einen eifrigen Gönner. 
Schon 1308, noch als Stellvertreter seines Vaters, bewilligte er 
dem Maler Pietro Cavallini aus Rom für unbestimmte Zeit 
(ad bene placitum) einen Jahrgehalt, nebst einer Entschädigung 
für Hansmiethe. Im Jahre 1310 ernennt er den Maler Montanus 
von Arezzo, 
dem sein Bruder Prinz Philipp schon für ihm gelei- 
11 
w) 
Agincourt, Sculpt. 
I. S. SÖ und 277. 
Taf. 
27 
Nro. 
Vergl 
oben 
533.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.