Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-974436
Sculptur. 
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Einfluss des Byzantinischen überwunden. Die Figuren haben 
statt der gestreckten eher kurze Verhältnisse, statt der künstlich 
gefältelten plumpe schwer herabfallende Gewänder, statt der 
feierlichen conventionellen Haltung naive und lebendige, freilich 
oft sehr ungeschickt dargestellte Bewegungen , die häutig zwi- 
scheu der Vorder- und Seitenansicht schwanken, aber doch 
überall den beabsichtigten Ausdruck verständlich geben. Die 
Compositionen endlich sind im Wesentlichen durchaus neu und 
originell und nicht ohne Verdienst. Weder der Namen des 
Künstlers, noch das Entstehungsjahr sind uns überliefert, indes- 
sen Wird die Arbeit nach dem Style und nach ihrer V erschiederl- 
heit von der des Barisanus nicht lange vor den Beginn des XIII. 
Jahrhunderts fallen. 
Dies ist das letzte Beispiel des einheimischen Betriebes die- 
ser Technik; er bildet eine Episode in dem kunstgescltiehtlichen 
Verlaufe, die freilich eine gewisse Energie und Geschicklichkeit, 
aber keineswegs ein tieferes künstlerisches Bedürfniss verräth. 
Und so blieb es dann auch im XIII. Jahrhundert. Die inI-Iolz ge- 
schnitzte Thüre an der Kirche zu Alba Fucese in den Abruzzen 
interessirt uns dadurch, dass sie nächst der Thüre von S. Sabina 
in Rom das einzige umfangreiche Werk dieser Art in Italien ist; 
aber die Arbeit an den daran befindlichen Reliefs ist so roh, dass 
sie kaum den Inhalt erkennen lässt und wenig Anhaltspunkte zur 
chronologischen Bestimmung giebt. Mit grösserer Sicherheit kön- 
nen wir dem XIII. Jahrhundert eine viereckige Säule von weissem 
Marmor im Hofe des Doms von Gaöta zuschreiben, welche auf 
jeder Seite mit zwölf Reliefs theils aus der Geschichte Christi, 
theils aus der des h. Erasmus ausgestattet und mithin ein kost- 
bares VVerk ist, das man gewiss nur den besten hier bekannten 
Arbeitern anvertraut haben wird. Allein die Körperbildung und 
der Ausdruck der Figuren sind auch hier überaus unvollkommen 
und ohne Sinn für die geistigen Aufgaben der Kunstäc). Frie- 
drich II., der an allen Künsten den lebendigsten Anthcil xiahm, 
stellte auch der Sculptur grössere Aufgaben. Die Statuen und 
Reliefs in seinem Schlosse am X7olturno, deren ich schon früher 
erwähnte, erweckten die Bewunderung der Begleiter Karfs von 
f] Die Thüre von Alba Fucese Taf. 63, die Säule von Gaeta Taf. B4.
        

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