Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-974361
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Süd- 
Italien. 
ladene und Schwülstige, welche sich hier auch später, der Renais- 
sance gegenüber, wieder geltend machte. 
Man könnte glauben, dass der feine Geschmack, welchen 
die decorativen Werke des XII. und XIII. Jahrhunderts beweisen, 
auch den darstellenden Künsten zu Gute gekommen sein 
müsse. Allein dies ist keinesweges der Fall; der stärkere Ein- 
fluss der antiken und byzantinischen Kunst bewahrte zwar auch 
hier vor der äussersten Rohheit, konnte aber den Blangel des 
geistigen Interesses und der tieferen Auffassung nicht ersetzen. 
Am Auffallendsten ist dies in der Malerei. Ohne Zweifel 
hatte die altchristliche Zeit in dieser reichen und an Kunst ge- 
wöhnten Gegend auch ausser den berühmten Bauten des Paulinus 
von Nola viele musivische oder malerische WVerke hinterlassen, 
von denen noch jetzt Einiges erhaltenist; ebensowenig konnte es 
an byzantinischen Vorbildern fehlen, wie schon jene Musaicisten, 
welche der Abt Desiderius von Monte Cassino berief, und die so- 
gleich näher zu erwähnenden zahlreichen ehernen Thüren bewei- 
sen, welche von Konstantinopel hierher gelangten. Auch hätte, 
wenn man dafür empfänglich gewesen wäre, jene immerhin acht- 
bare Schule, welche die sicilischen Kirchen mit Mosaiken 
schmückte, einen Ausgangspunkt geboten. Allein es fehlte das 
Bedürfniss, und es scheint nicht, dass diese Vorbilder irgend 
einen Eindruck machten; man begnügte sich mit gleichgültiger 
stumpfer Wiederholung der hergebrachten Formen. 
Unter den ziemlich zahlreich erhaltenen Ueberresten des XII. 
und XIII. Jahrhunderts ü] verdienen daher nur Wenige besonderer 
Erwähnung. Ganz vereinzelt, aber höchst eigenthümlieh sind die 
farbigen Mosaiken am Fussboden der Dome zu Otranto und 
Brindisi, jene von einem Presbyter Pantaleon im J. 1163 an- 
gefangen, diese um 1178 ausgeführt und zwar, bei ihrer grossen 
Verwandtschaft mit jenen, vielleicht von demselben Künstler. Sie 
enthalten eine Menge verschiedener Gegenstände, biblische Ge- 
schichten, symbolische Figuren, die Monate, dann aber auch Ge- 
stalten der ritterlichen Dichtung, König Arthus, den grossen 
Alexander, in Brindisi auch die Helden des karolingischen Sagen- 
Ü Eine Aufzählung derselben bei Schulz, III. 147.
        

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