Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-974329
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Neapel. 
Kirchen der Hauptstadt prachtvollere Denkmäler zu setzen, und 
zwar in einer gothischen Form, die nun so beliebt wurde, dass 
man sie allgemein und selbst bei jenen früher Bestatteten anwen- 
dete. Es ist nicht zu bezweifeln, dass dabei das französische Blut 
der Anjou's mitsprach und ihnen die Anwendung dieses aus ihrer 
Heimath hervorgegangenen Styles empfahl; allein zugleich war 
es gewissermassen ein Compromiss, das mit ihrer eigenen Accli- 
matisation in Italien zusammenhing; denn die Gothik, die hier zur 
Anwendung kam, war nun nicht mehr die französische, sondern 
die in Oberitalien umgestaltete. Die Anordnung dieser Grabmälei" 
ist mit geringen Abweichungen immer dieselbe. Säulen, die zu- 
weilen auf Löwen stehen und fast immer durch in weite Gewän- 
der gekleidete und mit grosscn Flügeln versehene Statuen von 
Tugenden verdeckt sind, tragen den Sarkophag, auf welchem der 
Verstorbene oben ruht, an der Vorderseite aber lebend, gewöhnlich 
mit seinenVerivandten, dargestellt ist. Dieser Sarkophagbau istdann 
von zwei schweren, meist musivisch geschmückten gothischen 
Pilastern begleitet, welche einen hohen Spitzbogen und Spitz- 
giebel tragen und oft neben demselben Fialen bilden. Zu Häupten 
und Füssen des auf dem Sarkophage liegenden Verstorbenen he- 
ben stehende Engel die Vorhänge empor und zeigen so innerhalb 
jenes Bogens eine weitere gemalte oder plastische Darstellmig, 
gewöhnlich die thronende Jungfrau mit dem Kinde, welcher der 
vor ihr kniende Verstorbene von seinen Schutzheiligen empfohlen 
Wird. AmGiebel ist häufig noch ein Medaillen, etwa des segnen- 
den Christus, auf der Spitze desselben zuweilen noch eine Statue 
angebracht. 
Die ganze Anordnung ist also derjenigen, welche seit den Ta- 
gen Arnolfols von den toscanischen Meistern angewendet war, nahe 
verwandt, nur reicher und schwerfäilliger. Die Tugenden als 
Träger des Sarkophags, die Reliefs oder Statuetten an der Seiten- 
Bäche desselben, die bei den Toscanern durch das Leintuch bedeckt 
oder mit einfachen Rosetten geschmückt war , sind hinzuge- 
kommen, die Pfeiler stärker gebildet, das Ganze ist mit Mosaiken, 
einem sehr unscheinbaren, da er und mehrere andere dort bestattete Mit- 
glieder seines Hauses erst 1333 solche Denkmäler erhielten (a. a. 0. III. 24), 
die dann später von anderen Einrichtungen der Locaiität wieder verdrängt sind.
        

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