Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-974298
Decorative 
Werke. 
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ist die selbstständige Entstehung einer solchen sehr erklärbar. 
Das glückliche Campauien, dessen Schönheit seit den Zeiten der 
Republik die römischen Grossen bestimmt hatte, hier ihre Land- 
sitze anzulegen, war gewissermassen eine Vorstadt Rom's, und 
zwar eine Vorstadt des Luxus, welche fast wie die Stadt selbst 
von Porphyr, Granit und edlen Marmorarteil glänzte. Allerdings 
standen diese Prachtbauten hier nicht so gedrängt wie in den 
Strassen Roms, wo sie sich in den Zeiten des Verfalls mit Noth- 
Wendigkeit zu Marmorbrüchen auch für auswärtige Nachfrage 
gestalteten. Sie und mitihnen die Verwendung ihrer kleinen Trüm- 
merstücke konnten so sehr in Vergessenheit gerathen, dass der 
Abt Desiderius von Monte Cassino im XI. Jahrhundert, statt sich 
an diese nahe Quelle zu wenden, Mosaicisten aus Griechenland, 
Säulenstämme aus Rom kommen liess. Aber nun mit dem Anfange 
des XII. Jahrhunderts, sei es in Folge der durch diese Byzantiner 
gegebenen Anregung, sei es überhaupt durch die Besserung der 
Verhältnisse wurde man sich hier wie in Rom der Schätze be- 
wusst, welche diese Trümmerstätten bargen, und begann von der 
Hebung und Verwendung derselben ein Gewerbe zu machen. Da- 
her denn die ähnliche Richtung dieser Gegend, die Beibehaltung 
des auf der Benutzung alter Fragmente beruhenden Basilikeilstyls, 
der Mangel des architektonischen Interesses, und endlich die 
Uebung in der jene Trümmer verwerthenden, an antike Motive an- 
knüpfenden musivischen Kunst. Der Ueberrest griechischen Blutes 
in der Bevölkerung Campaniens machte es erklärbar, dass diese 
Kunst hier leichtere und anmuthigere Formen annahm als in 
Rom selbst. 
Am Reichsten in Leistungen dieser Art ist der Dom von 
Salern o. Die Mosaiken des Fussbodens und der Chorschran- 
ken, obgleich in denselben Motiven von Kreisverschlingungen 
u. dgl. angeordnet wie" die römischen, sind reicher und mannig- 
faltiger wie diese. Besonders aber verdienen die beiden zufolge 
der Inschrifteil ungefähr gleichzeitig um 1 175 gestifteten Kanzelnß) 
die höchste Beachtung. Sie gehören zu den prachtvollsten Wer- 
ken dieser Art. Säulen, deren Basen mit Eckblättern in wechseln- 
3) Die Evangelienseite nennt genau dies Jahr, die der Epistelseite nur 
als Stifter den von 1153 bis 1181 regierenden Erzbischof. A. a. O. S. 288 ff.
        

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