Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-974275
Decorative 
Werke. 
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Palmetten und andern antiken Motiven gebildet und an der Facade 
verschwindet nun gar jede Spur des Gothischen; sie erscheint als 
eine einfache Wand mit dem Rundbogenfriese an dem flachen 
Dache, der Fensterrose und einem überaus schlanken, rundbogi- 
gen, von flachen, ununterbrochen herumlaufenden Ornament- 
Streifen eingerahmten und von zwei auf Löwen ruhenden Säulen 
flankirten Portale. Es sind im Wesentlichen dieselben, allerdings 
auch hier noch sehr anmuthigen Formen, welche in diesen Ge- 
genden schon vor zweihundert Jahren angewendet waren. 
Neben den eigentlichen Bauwerken, deren Uebersicht hiemit 
geschlossen ist, verdienen aber auch noch die verwandten kleineren 
decorativen Werke, Kanzeln, Osterleuchter, 'l'abernakel u. s. f., 
da sie in dieser Gegend sehr zahlreich und zum Theil von grosser 
Schönheit sind, eine besondere Betrachtung. 
Auch hier unterscheiden sich die Provinzen und zwar sonder- 
barer Weise so, dass der Werth dieser Zierwerke im umge- 
kehrten Verhältnisse zu der architektonischen Productionskraft 
steht. 'In jenen östlichen Gegenden, wo wir eine Bauschule von 
einer gewissen Originalität antreffen, gehören die Werke dieser 
Art meist noch dem XI. Jahrhundert an und haben einen strengen 
und alterthümlichen Charakter. Die Bischofsstühle in S. Sabino 
zu Canosa, S. Niccolö zu Bari und in der Grottenkirehe zu Monte 
S. Angelo k) ruhen auf Elephanten, gedrückten menschlichen Fi- 
guren oder Löwen von strengster gradliniger Form und sind mit 
geometrischen Ornamenten oder mit jenem Flechtwerk verziert, 
das schon an den Werken der longobardischen Zeit in Italien so 
häufig vorkommt. Auch die 'l'aberuakel im Dome und in S. Nic- 
colö in Bari, und selbst die etwas spätere Kanzel in S. Sabino zu 
Canosa haben noch diesen spröden und strengen Styl. 
In den Abruzzen weht schon ein anderer Geist. Die Kanzel 
in der Klosterkirche S. Maria del lago in Moscufo, laut In- 
schrift 1159 von einem gewissen Nicodemus gefertigt, ist noch 
von spröden, aber zugleich phantastischen Formen, mit keck an- 
geordneten Reliefs und vielen zum Theil geheimnissvollen Figuren 
Vgl. 
w 
2419 
Taf. 
und
        

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