Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-974232
Stiftungen 
CarPs 
VOll 
Anjou. 
577 
Klöster gewesen sein, welche Carl von Anjon als persönliche 
Denkmäler theils seiner Siege theils der Pietät stiftete, die auf den 
Schlachtfeldern von Benevent und Tagliacozzo , wo Manfred und 
Conradin unterlagen, und das von Realvalle, Welches, mit franzö-- 
sischen Mönchen besetzt, ein Abbild des von seinem Vater ge- 
gründeten Klosters Royaumont bei Paris sein sollte. Die fran- 
zösischen Meister, die wir bei diesen Bauten urkundlich kennen, 
werden alles aufgeboten haben, um die ganze Schönheit ihrer 
heimischen Kunst zu entwickeln. Aber alle drei sind, als ob die 
N emesis darüber gewaltet, bis auf formlose 'I'rümmerhaufen ver- 
schwunden. Dagegen ist ein anderes, weit von der Hauptstadt 
entlegenes, berühmtes Heiligthum frühgothischen französischen 
Styls noch wohl erhalten, das diese seine Gestalt wahrscheinlich 
der Fürsorge König Carls verdankt. Es ist dies die Grottenkirche 
zu Monte S. Angele auf dem Garganus, die Hauptstättei für den 
im Mittelalter so sehr gesteigerten Cultus des Erzengels Mi- 
chaelät). Auf und zwischen Felsen gebaut, mit der Höhle ver- 
bunden, in welcher der Erzengel einst erschienen sein soll, ge- 
stattete sie keine grossariige Plananlage, aber alle ihre Formen 
sind völlig im reinen frühgothischen Style Frankreichs. Schlanke 
Säulenbündel mit Knospenkapitälen oder feinerem Blattwerk stei- 
gen, da der Felsen selbst den untern Theil des Raumes begrenzt, 
von Consolen auf und tragen Kreuzgewölbe mit Wohlproiilirten 
Rippen. 
Kaum dürfte sich ein zweiter Fall so reiner Anwendung des 
gothischen Styls in den Provinzen nachweisen lassen. Die Ka- 
thedrale von Lucera, welche Carl II. im Jahre 1300, nachdem 
a] Dass König Carl sich für dies Heiligthum interessirte, oder doch 
sich durch scheinbares Interesse für dasselbe populär machen wollte, ergiebt 
sich daraus, dass er im J. 1272 die Herstellung der dahin führenden Land-- 
strasse verordnete und seinen dabei beschäftigten Beamten ausdrücklich auf- 
gab, dies "iieissig und feierlich" (diligenter 8x solempuiter) zu thun, damit. 
es kundbar werde, dass er selbst sein Königliches Auge darauf gerichtet- 
habe. Schulz IV. Nro. 94. Es ist daher sehr wahrscheinlich, dass auch 
der Bau der Felsenkirche selbst von Karl angeordnet wurde. Peter von 
Angicourt war im J. 1278 ganz in der Nachbarschaft von Monte S. Angelo 
in der Stadt Manfredonia beschäftigt und kann sehr leicht beide Bauten zu 
Bleicher Zeit geleitet haben. 
VII. 37
        

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