Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-974190
Einfluss 
französischer 
Gothik. 
573 
Eine frühgothische französische Anlage findet sich demnächst 
bei einer kleinen Gruppe verwandter Kirchen, von denen Wenig- 
stens die eine schon vor der Ankunft des Hauses Anjou entstan- 
den sein dürfte. Diese Kirchen haben nämlich ein Querschiff von 
bedeutender Ausladung mit einer Concha auf der Ostseite jedes 
Armes, und demnächst einen stark verlängerten, halbkreisförmig 
schliesseilden Chor mit einem Umgange, dabei aber nicht, wie es 
seit den ersten Jahrzehnten des XIII. Jahrhunderts in Frankreich 
Regel War, den vollen Kranz von fünf oder sieben dicht anein- 
anderstehenden, sondern nur drei Kapellen. An der alterthüm- 
lichsten dieser Kirchen, dem Dome von Acerenzak) (in der Basi- 
licata, jedoch im nördlichen Theile nahe an der Terra di Lavoro), 
gleicht diese Choranlage völlig derjenigen, welche im mittleren 
Frankreich schon frühe im XII. Jahrhundert erfunden und na- 
mentlich an der Abteikirche St. Etienne in Nevers angewendet 
wurde. Hier sind nämlich, um die Schwierigkeiten zu vermin- 
dern, welche die Ausführung von gleichen Kreuzgewölben in der 
Rundung des Chorumganges verursachte, abwechselnd grössere 
viereckige, der Weite einer Kapelle entsprechende, und kleinere 
keilförmige Gewölbfelder angelegt, denen keine Kapelle angefügt 
wurde und die also neben und zwischen den drei in dieser Weise 
zu Stande kommenden Kapellen Lücken bildeten. lm XIII. Jahr- 
hundert bedurfteman solches Auskunftsmittels nicht mehr und 
behielt diese Anordnung nur in einzelnen Fällen, wahrscheinlich 
mit Rücksicht auf frühere Fundamente bei  Dies und die 
strenge einfache Haltung machen es wahrscheinlich, dass die 
Kirche von Acerenza noch aus der Frühzeit des XIII. Jahrhun- 
derts stammt und ihren Plan durch eine nicht mehr zu ermittelnde 
Verbindung mit Frankreich erhalten hat. Der zweite Bau dieser 
Gruppe gehört dem in derselben Diöcese gelegenen damaligen 
Benedictinerkloster S. Trinitä zu Venosa an und wurde von den 
Aebten in einer nicht genau angegebenen Zeit des XIII. Jahr- 
hunderts begonnen und neben der bestehenden alten Kirche fort- 
gesetzt, bis der Papst im Jahre 1292 angeblich wegen Verfalls 
"Ü A- a. 0. I. 316, Grundriss Tf. 31, ö. 
w) Vgl- in Viollet-le-Duc Dictionnaire: St. 
dle Kath. von Chartres II. 312, die von Rouen I. 
Etienne 
237. 
Nevers, 
173.
        

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