Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-974179
Ravello. 
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gebildet waren, gerade jetzt in der zweiten Hälfte des XIII. Jahr- 
hunderts hier Aufnahme fanden, ist überall nicht zu ermitteln; 
der Zusammenhang dieser festländischen Küste mit Sicilien war 
unter der Herrschaft des normannischen und des hollenstautischen 
Hauses genau derselbe gewesen, wie im Anfange der Regierung 
CarPs I., und es ist sehr merkwürdig, dass um dieselbe Zeit, wo 
dieser durch seine französischen Baumeister gothische Kirchen 
errichten liess, die Eingebornen jenen normannisch-maurischeu 
Styl aus dem Lande herüberholten , das damals schon anfing zu 
grollen und bald darauf (1282) der französischen Herrschaft durch 
die sicilianische Vesper ein Ende machte. Man könnte daran er- 
innern, dass diese künstlerische Verbindung ungefähr in derselben 
Gegend auftritt, wo Johann von Procida schon damals die Fäden 
einer politischen Verschwörung mit Sicilien anknüpfte, und daher 
auch in dieser Annahme sicilischer Formen eine Opposition gegen 
die Franzosen suchen. Allein so ernste Rücksichten lagen hier 
schwerlich zum Grunde, und nur so viel ist denkbar, dass die 
Berührung mit der für den hiesigen Geschmack zu strengen fran- 
zösischen Gothik die einheimischen Meister anregte, derselben 
einen andern glänzenderen Schmuck entgegenzustellen, den sie 
dann aus Sicilien heriiberholten, aber auch sofort in das Schwül- 
stige und Ueppige übertrieben. Eine Bestätigung dieser-Annahme 
kann man darin finden, dass einige, wie es scheint, noch um den 
Schluss des XIII. Jahrhunderts fallende Bauten in Amalii und den 
benachbarten Ortschaften, besonders aber der Kreuzgang in 
S. Domenico zu Salerno ü) den Versuch zeigen, jene maurischen 
Durchkreuzungen dem gothischen Style aufzudrängen, indem man 
sie als Maasswerk in streng gehaltene Spitzbogenößnungen ein- 
fügte; ein Versuch, der gleich in die ersten Anfänge gothischer 
Studien eine Willkür hineinbrachte , die Alles übertraf, was im 
Norden in der Zeit des Verfalles aufkam und dabei noch überdies 
plump und schwerfällig austiel. 
Spuren des nordisch-romanischen Styls aus der Zeit der 
normannischen Herrschaft sind überaus selten. Nur die Vorhalle 
von S. Angel o in formisi-WF] unfern Capua mit fünf auf stäm- 
i") A. a. 0. p. 299 und Tf. 84. s. a. Abb. auf der folg. Seite. 
H) A. a. O. II. S. 170, sowie Tf. 70 u. 71.
        

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