Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-974073
Die 
Abruzzen. 
561 
Dagegen ist über das Mittelportal zunächst eine Fülle plastischen 
Schmuckes ergossen; im Bogenfelde und auf dem Architrave 
erzählen umfassende Reliefs die Gründungsgeschichte des Klo-- 
sters und die Widmung dieser neuen Kirche, und an den Thür- 
pfosten erscheinen in grösserer Dimension, wenn auch in etwas 
kurz gebildeten, steifen Gestalten, die reich geschmückten fürst- 
lichen Wohlthäter des Klosters. Sehr merkwürdig ist dann aber, 
dass die Seitengewände dieses Portals mit je drei in Wandeckelt 
eingelassenen überschlanken Säulen ausgestattet sind, die an sich 
und vermöge ihrer steilen attischen Basis und den mit räthsel- 
haften 'l'hiergestalten geschmückten hohen Kelchkapitälen durch- 
aus das Gepräge nordischen Uebergangsstyles tragen, dessen 
Formen sich also hier mit dem maurischen Bogen vereinigt 
finden ü). 
In einem entfallenden Gegensatze zu den Portalen steht dann 
die überaus schöne und klare Anordnung der Vorhalle. Drei 
weite, prachtvolle Eingänge, alle drei von gleicher Höhe, der 
mittlere, breitere, rundbogig, die beiden andern von regelrechten 
Spitzbögen gedeckt, sind durch angemessene, von Säulen besetzte 
Pfeiler getrennt, an denen auf stärkeren unteren Säulen schlanke 
Säulchen wie gothische Dienste emporsteigen und so einen wohl-- 
geordneten, auf Consolen ruhenden Spitzbogenfries stützen, über 
welchem dann ein reiches Gesimse das Hauptgeschoss bekrönt 
und ein niedriges, rechtwinkelig schliessendes Obergeschoss trägt. 
Ein nordischer Einfluss ist auch hier unverkennbar. An den Bögen 
der Seitenportale kommen Rauten, Zickzack und Rosetten vor, 
die an normannische Bauten erinnern, aber die ganze wohlgere- 
gelte und organische Anordnung, die elegante Prolilirung der 
Bögen, sowie die Einfügung von kleinen Figuren in die Archi- 
volte des Mittelportals lassen sogar auf Kenntniss des gereiften 
gothischen Styles schliessen. Indessen ist das Blattwerk durch- 
aus in der antikischen Behandlung dieser Gegend und der Ein- 
druck des Ganzen schon vermöge des horizontalen Abschlusses 
der Facade ein sehr charakteristisch südlicher. 
1') Das Schulische Werk giebt Taf. 52, F. 2 den Grundriss, Taf. 54, 55, 56 
und zwar in ausgezeichneten Kupferstichen, die Vorhalle und die Portale, 
Tßf- 58 Details. Vergl. den Text II. 23 ff. 
VII. 36
        

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