Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-974040
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Capitanata. 
Sie ist nämlich aus einem wohl selten in der Architektur ange- 
wendeten Polygone aus dem regelmässigen Elfecke construirt und 
zwar so, dass die elf von ihrem ringförmigen Kerne als Radien 
ausgehenden Säulen durch sich schneidende Halbkreisbögen ver- 
bunden, und die dadurch gebildeten inneren Theile, nämlich die 
Dreiecke zwischen den Säulen selbst und die innerhalb der Bögen, 
alle mit verschiedenen, sich sehr stark markirenden Mustern in 
weissem durchbrochenem Marmor ausgefüllt sind. Nimmt man 
dazu, dass die säulenartigeil Radien abwechselnd in rothem und 
weissem, die Bögen in grünem und Weissem Marmor gearbeitet 
sind, so hat man eine Vorstellung von der kräftigen VVirkung 
dieses prachtvollen Fensters, welche dann noch durch seine phan- 
tastische Umrahmung mit einem der oberen Hälfte sich anlegen- 
den, reich geschmückten Flachbogen und mit verschiedenen sehr 
energisch gehaltenen Löwen und anderen Thiergestalten erhöht 
wird. Da die Fensterrose Spitzbögen mit gothischen Nasen ent- 
hält, wird man sie oder doch ihre reiche innere Ausstattung einer 
spätem Zeit als den Unterbau zuschreiben müssen, hat dann aber 
wieder ein Beispiel von der Fortdauer des Verständnisses roma- 
nischer Formen auch bei einzelnen Entlehnungen aus dem gothi- 
sehen Styl. Die Seitenwände des Langhauses entsprechen, so- 
weit sie ihre volle Ausführung erhalten haben k], wiederum den 
toscanischen Traditionen, indem hier sowohl das Untergeschoss 
als das Oberschilf mit Blendarcaden versehen sind, welche theils 
Portale und Fenster umschliessen, theils Wieder den Schmuck 
farbiger Auslegung oder ähnlicher Rosetten wie dort erhalten 
haben. 
Ausserdem findet sich diese toscanische Deeoration noch an 
dem Dome von Siponto, welcher schon 1117 geweiht sein soll, 
aber in der schon seit dem XIII. Jahrhundertverlassenen Stadt nur 
noch als Ruine steht, an der Kirche S. Maria maggiore zu M onte 
S. Angelo, und am V ollstänmiigsten an S. Maria, der Hauptkirche 
von F0 g gia, welche nach einer Inschrift ziemlich spät, erst 1179, 
angefangen wurde. Sie hat nicht bloss die Arcaden des Unter- 
"Ü Die Ansicht bei Schulz Taf. 34 ist, 
aus dem untern Geschosse der nördlichen 
rSeite zusammengesetzt. 
wie man Th. I. S. 192 erfährt, 
und dem obern der südlichen
        

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