Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-973847
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Das 
südliche 
Italien. 
dem griechischen Reiche mussten ihn begünstigen. Auch fehlt 
es nicht an Beweisen künstlerischen Zusammenhanges. In 
der zweiten Hälfte des XI. Jahrhunderts besorgte eine einzige vor- 
nehme Familie, die der Pantaleonen von Amalli, eine ganze Zahl 
eherner Thüren für Italien aus Constantinopel, und liess der Abt 
Desiderius von Monte Cassino ganze Schaaren von Arbeitern 
von dorther kommen. In gewissen Gegenden erhielt sich sogar 
noch viel länger nebst griechischer Sprache und griechischem 
Ritus eine byzantinisirende Manier der Andachtsbilder, wie wir 
an der schon früher erwähnten Malerfamilie der Byzamannus in 
Otranto bemerkten. Aber dennoch war dieser Einfluss im Ganzen 
ein sehr geringer. Es gab keine Stätte, wo er so stark wurde, 
wie in St. Marco von Venedig, keine Epoche, wo man ihn aus 
technischem Bedürfnisse gesucht hätte, wie es die oberitalienische 
Malerei im XIII. Jahrhundert that. Am Stärksten ist er in den 
Bauten der östlichen, am adriatischen Meere gelegenen Provinzen, 
aber auch da beschränkt er sich nur auf einzelne Motive oder auf 
Details der Ornamentation, während die Anlage fast durchgängig 
die abendländische basilikenartige bleibt. 
Arabischer Einfluss ist einige Male unverkennbar; in 
S. Niccolö zu Bari ,.wo ein Fries sogar eine arabische Inschrift 
enthält, an einer ehernen Thüre in Canosa, wo die Medaillons 
mit maurischen Mustern gefüllt sind. Aber diese Fälle sind völlig 
vereinzelt, und der in gewissen Gegenden, namentlich in den 
Abruzzen, wiederholt vorkommende Hufeisenbogen steht auch hier 
ganz allein, ohne andre Spuren maurischer Einwirkung. 
Der stärkste Beweis der künstlerischen Unempfänglichkeit 
dieser Gegenden ist, dass auch die lange politische Verbindung 
mit Sicilien und der hier aus byzantinischen, maurischen und 
nordischen Elementen gebildete Styl fast gar keinen Einfluss aus- 
übte. Die zahlreiche Schule von Mosaicisten, welche dort so 
bewundernsvverthe Werke hervorbrachte, hat hier auch nicht ein 
einziges Mal Beschäftigung gefunden, der Spitzbogen, der dort 
so frühe und ausschliesslich herrschte, blieb hier ein Fremdling, 
und die pikante, aus maurischen Elementen geschaffene Decora- 
tion der sicilianischen Bauten fand nur an einzelnen Stellen der 
Westküste eine späte und vorübergehende Anwendung.
        

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