Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-973832
Geistige 
Verschiedenheit. 
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politischen Verhältnissen dem Orient genähert; wie dort hat auch 
hier die Geschichte eigentlich nur die Schicksale der Dynastien 
zu erzählen, während das Volk im Wesentlichen stets in der- 
selben Lage blieb. 
Aehnlich erging es der Kunstie), auch sie hat kaum eine 
Geschichte, wenigstens keine so inhaltreiche, wechselvolle, wie 
die nordischen Provinzen. Sie sank niemals zu dem Grade von 
Rohheit und Verwilderung herab wie dort, aber sie hob sich auch 
niemals aus eigener Kraft. Ein Ueberrest antiken Geschmacks 
erhielt sich auch in den dunkelsten Jahrhunderten, aber nur als 
Zähe Gewohnheit, nicht als lebendige, reagirende Kraft. Während 
die Berührung mit fremder Kunst für Oberitalien die gründlichste 
Schule eigner künstlerischer Ausbildung wurde, fehlte hier so- 
wohl die Kraft der Aneignung des Fremden, als die der Reaction 
gegen dasselbe. Alle Nationen, welche wenn auch nur einzelne 
Stellen des küstenreichen Landes vorübergehend beherrschten, 
liessen vereinzelte künstlerische Spuren zurück, aber keine brachte 
bleibende YVirkungen hervor, und das Resultat der Jahrhunderte 
War nur eine allmälige Annäherung dieser Provinzen an die fort- 
schreitende Kunst der oberitalischen. 
Vor allem hätte man eine starke Einwirkung der byzanti- 
nischen Kunst erwarten sollen; die griechische Abstammung 
der Bevölkerung in manchen Provinzen, die langanhaltende Herr- 
Schaft der Byzantiner, der stete Verkehr der ganzen Ostküste mit 
Ü Ausschliessliche Quelle ist hier das grosse Werk von H. W. Schulz, 
Denkmäler der Kunst des Mittelalters in Unter-Italien, nach 
dem Tode des Verfassers herausgegeben von F. v. Quast, Dresden 1860, 
4 Bde, 4. und Atlas in gr. F01. Dies Prachtwerk, das Resultat gründlicher, 
durch eine Reihe von Jahren fortgesetzter Studien, mit vorzüglichen Ab- 
bildungen, zum Theil von bedeutenden Dimensionen, ausgestattet, hat uns 
diese Gegend, von welcher wir früher nur durch die unter den Auspieien 
des Duc de Luynes herausgekommenen: Rercherches sur les monumens etc. 
dans Pltalie märidionale, Paris 1844, gr. Fol., und einige Reisewerke un- 
Sichere Nachrichten hatten, erst aufgeschlossen, und giebt über dieselbe so 
ausführliche und anschauliche Kunde, wie wir sie kaum über eine andere 
Provinz Italiens besitzen. Zwar ist nicht zu läugnen, dass es namentlich 
in architektonischer Beziehung noch manche Wünsche übrig lässt; indessen 
Sind diese Lücken im Verhältnisse zu denen, über welche wir uns in der 
Literatur der andern Gegenden zu beklagen haben, sehr gering.
        

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