Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-973823
Neuntes 
Kapitel. 
Das 
südliche 
Italien. 
Nord- und Süd-Italien verhalten sich wie zwei, auch in ihren 
Anlagen sehr ähnliche Brüder, die aber vermöge einer Verschie- 
denheit des Charakters andere Schicksale haben lind sich anders 
ausbilden. Schon in römischer Zeit begründete theils der grössere, 
allzu verführerische Reichthum der Natur dieser südlichen Gegen- 
den, theils die verschiedene Mischung der Bevölkerung, dort zum 
Theil mit celtischen Stämmen, hier mit Griechen, einen Unterschied, 
der dann später dadurch bedeutend wuchs, dass der germanische 
Geist, weil er weniger verwandte Elemente vorfand, hier noch 
weniger eindrang. Grade der Theil der Halbinsel, dessen Be- 
völkerung der Erneuerung und Kräftigung durch germanisches 
Blut am Meisten bedurft hätte, empfing sie in schwächerem 
Maasse. Daher denn ein weiteres Auseinandergehcn; derselbe 
Individualismus, der im Norden als republikanisches Selbstgefühl 
die Quelle wilder Kämpfe, aber auch eines darauf folgenden Auf- 
schwunges wurde, erzeugte hier nur eine passive, geniessende, 
eigensüchtige Stimmung, welche die Volkskraft brach, die Fähig- 
keit gemeinsamer Erhebung raubte und das Land zur Beute jedes 
Eroberers machte. Während die nordischen Städte es mit den 
in despotischer Regierungsknnst Wenig bewanderteu Deutschen- 
zu thun hatten und so zur Selbstregieruug genöthigt und ange- 
leitet wurden, standen diese südlichen Gegenden von den gothi- 
sehen Kriegen an bis in das eilfte Jahrhundert unter der Ver- 
waltung byzantinischer Beamten, deren Künste denn auch die 
fremden Fürsten, welche nach ihnen die Herrschaft erlangten, 
Normannen, Deutsche, Franzosen, sich aneigneten und so die 
Bevölkerung in der Gewohnheit bequemer Unterwerfung erhiel- 
ten. Wir fühlen uns, wie in den klimatischen, so auch in den.
        

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