Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-973791
Politische 
Gemälde. 
533 
Krone empfangend  Später wurden dann Bilder in Gerichts- 
und Rathssälen üblich. Das erste der Art, welches ich nachwei- 
sen kann, war im Palaste von Neapel und zeigte Friedrich II. auf 
dem Throne, vor dem das knieende Volk um Justiz bittet, und 
von ihm an seinen Kanzler Peter a Vinea verwiesen wird, der 
seitwärts in seinem Richterstuhle sitzttlck). Es muss zwischen 
1239 und dem Tode des Petrus (1248) gemalt sein. In einem 
andern Falle hatte sich der Kaiser der Plastik zu diesem Zwecke 
bedient; in einem Schlosse am V olturno sah-man seine Statue 
und die seiner beiden Grossrichter mit erklärendenVersen, Welche 
den Guten Schutz, den Bösen Strafe verhiessen 39941). In den re- 
publikanischen Raths- und Gerichtssälen enthielten diese Bilder 
gewöhnlich die Schutzheiligen der Stadt, deren Anblick die Rich- 
ter und Zeugen oder die Beamten der Stadt zu Pflicht und Wahr- 
heit ermahnen sollte, was dann gewöhnlich auch in begleitenden 
Versen ausgedrückt war. So war es muthmasslich auf dem Bilde 
des Mino von 1289 im Rathssaale zu Siena gewesen, da es noch 
auf dem des Simon von 1315 und auf dem des Lippo Memmi von 
1317 in S. Gimignano sich so verhält. Im XIV. Jahrhundert gab 
man ihnen aber meist einen allegorischen Inhalt. So malte Giotto 
im Palazzo del Podesta zu Florenz auf der einen Seite den Richter 
mit den vier Kardinaltugenden, auf der andern, wie Vasari es 
ausdrückt-f), die Commune, die von Vielen beraubt wird. Es war 
wahrscheinlich eine Darstellung ähnlichen Inhalts, wie wir sie auf 
dem Grabmale des Guido 'l'arlati in Arezzo sehen, wo die Com- 
mune als bärtiger Mann auf einem Throne sitzt und es duldet, 
dass Mehrere ihn an den Haaren des Kopfes und Bartes rupfen. 
Dramatischer und complicirter muss das ebenfalls von Vasari er- 
wähnte Bild des Taddeo Gaddi im Handelsamte zu Florenz ge- 
wesen sein, auf welchem man sah, wie die Wahrheit der Lüge 
die Zunge ausreisst. Auch jene oben beschriebenen Gemälde des 
Ambrogio Lorenzetti im öffentlichen Palaste zu Siena mit den 
t) S. darüber u. a. Plattner Besehr. Roms III. 1 p. 554. Rex petit 
ante fores jurans prius urbis honores. Post homo fit Papae sumit quo 
dante coronam. 
H) Tiraboschi Storia etc. Tom. IV. Lib. I. c. 2  7. 
I") Schulz, Unteritalieitäl. s. 167. 
f) ed. Lemonnier 1. 334.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.