Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-973785
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Vergleichende 
Betrachtung. 
andern Schulen daneben nach einer andern, mehr lyrisch-musika- 
lischen Wirkung trachten. Am Tiefsten die von Sieua; in mehr 
äusserlicher VVeise die von Bologna und der Mark Ancona, indem 
sie den Gesichtern eine sentimentale WVeichhcit, den Körpern 
steife, goldgeschmückte Gewandung zu geben liebt; ähnlich, je- 
doch mit der Hinneigung zu grösserer sinnlicher Fülle und kräf- 
tigerer Farbe, die venetianische. Mit dieser verschiedenen Tendenz 
hängt denn auch ein verschiedenes Verhalten zur Natur zusammen. 
Die florentiner Schule bleibt wie bei der epischen Vortrags- 
weise so auch bei dem abstracten Naturalismus ihres Meisters 
stehn, der nur das Verständliche und Ansdrucksvolle der mensch- 
lichen Erscheinung berücksichtigt, die andern wurden unwillkür- 
lich auf die allgemeinen, sinnlichen aber auch lyrischer Bedeutung 
fähigen Elemente der Farbe und der Körperlichkeit hingewiesen, 
mit denen sie dann aber, da die scholastische Denkweise der Zeit 
für die Auffassung derselben keinen Standpunkt darhot, ziemlich 
ungeschickt und dilettantisch verfahren. Sie bewahren dadurch 
gewisse Traditionen der byzantinischen Kunst für eine später zu 
erwartende Anwendung, während die florentiuische Schule durch 
die stete Wiederholung der giottesken Auffassungsweise zu er- 
matten beginnt, und nur die Meister, welche, wie einige Floren- 
tiner und Seneser und besonders wie Altichieri und Avanzo, 
die nationale epische Darstellung mit grösserer Lebeusvvahrheit 
zu verbinden wissen, sind vollkommen befriedigend. 
Es mag hier der Ort sein, einer besondern Classe von Ge- 
mälden zu erwähnen, welche zwar keinen hohen Knnstwerth ha- 
ben, aber doch einen Beweis für die populäre Kraft der Malerei 
in Italien geben, nämlich der politischen Gemälde. Das älteste 
Beispiel, das ich kenne, ist jenes von den Geschichtschreibem oft 
erwähnte Bild, welches auf Befehl lnnocenz II. in einem Zimmer 
hinter der der Laterankirche gegenüber gelegenen Kapelle des 
h. N icolaus gemalt war und durch seinen Inhalt und die darunter 
befindlichen hochmüthigen Verse Beschwerden von Kaiser Frie- 
drich I. hervorrief. Man sah darauf nämlich den Kaiser Lothar 
Einlass in die Stadt erbittend und den Römern ihre Privilegien 
ÄJESChWÖTGIIÖ, und dann als Vasall des Papstes von diesem die
        

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