Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-973779
Malerschulen. 
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dem schönsten der VVandgemälde von Verona, über dem Grab-- 
male des 1390 verstorbenen Friedrich de Caballis in der dieser" 
Familie gehörigen Kapelle in S. Anastasia. Der Gegenstand. 
ist von allereinfachster Art. Vor der in der einen Ecke des Bildes 
thronenden Madonna mit dem Kinde knien einer hinter dem an- 
dern, fast immer im Profil, vier oder fünf Ritter aus der Familie 
Caballi, alle ihr Wappen, das weisse Pferd, entweder auf den 
Waffenröcken als Stickerei oder als Aufsatz auf dem Helme füh- 
rend und jeder von seinem neben ihm stehenden Namensbeiligen, 
begleitet. Aber diese langweilige Scene ist durch die feine Schön- 
heit der Madonna, die Lieblichkeit der neben ihrem Throne ste-- 
henden Engel und besonders des Kindes, die ungezwungene 
Haltung, die edeln und individuellen Züge und das phantastische, 
aber reiche und geschmackvolle Kostüm der dargestellten Ritter, 
die vortreffliche einfache Gewandbehandlung, das frische und 
harmonische Kolorit überaus anziehend geworden. Vor Allem 
aber gewinnt dies Bild ein hohes Interesse, wenn wir es mit der 
Anbetung der Könige und mit dem einigermassen ähnlichen V or- 
stelhmgsbilde in der Kapelle S. Giorgio in Padua vergleichen. 
und nicht bloss in der Farbenbehandlung und Modellirung im All- 
gemeinen, sondern auch in den Zügen einzelner Gestalten eine so 
volle Uebereinstimmung finden, dass ein Zusammenhang unver- 
kennbar ist. Wir dürfen daher glauben, hier ein und zwar bald 
nach der Vollendung der Kapelle S. Giorgio in Padua entstandenes 
Werk des Altichieri zu besitzen. Andere Werke seiner Hand 
in Verona sind nicht nachzuweisen, indessen zeigen mehrere 
Bilder in verschiedenen Kirchen, unter andern eine Madonna mit 
anbetenden Mönchen mit der Jahreszahl 1397 im Chore von 
S. Zeno, sowie eine mit der Jahreszahl 1386 in S. Stefano, seinen 
Einfluss, und die Richtung auf eine andere, vollere, sinnlichen: 
Schönheit, als die florentinischen Meister im Auge hatten. 
Ueberblicken wir hier, am Schlusse des XIV. Jahrhunderts, 
die bisher betrachteten Gegenden, so sehn wir in allen die Kunst. 
durch die Schule Giottois gefördert oder doch angeregt, aber in 
verschiedener Weise. Nur die üorentiuer Meister beharren unbe- 
dingt bei der epischen Vortragsweise Giottds, während die meisten 
34h"
        

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