Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-973762
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Italienische 
ihre Daten einige Aufklärung über die Entwickelung dieser un- 
streitig bedeutendsten der lombardischen Schulen dieser Zeit ge- 
währen. Es scheint nicht, dass sie mit der Anwesenheit Giotto's 
in Padua in unmittelbarem Zusammenhange stand; die vielen 
rohen Malereien, welche sich namentlich in S. Zeno finden, deuten 
eher auf einen späteren Aufschwung. In einem günstigem Lichte 
erscheint die Schule in der Kirche S. Fermo maggiore, deren 
Neubau über der alten Krypta erst um die Mitte des XIV. Jahr- 
hunderts vollendet sein kann und deren Inneres vollständig mit 
WVandgemälden dieses und des folgenden Jahrhunderts geschmückt 
ist. Schon das älteste der datirten Bilder, Christus am Kreuze 
zwischen Maria und Johannes nebst mehreren anderen Heiligen 
und dem ritterlichen Stifter über dem nördlichen Eingange mit der 
Jahreszahl 1363, entfernt sich merklich von Giotto; die Farbe ist 
kräftiger, die Körper sind mehr durchgeführt, die Bewegungen 
nicht so einfach, sondern mit einem, noch wenig gerechtfertigten 
Ansprüche auf Grazie. Sehr viel bedeutender ist die leider nicht 
datirte, aber ohne Zweifel jüngere Kreuzigung über der 
westlichen Eingangsthüre, welche, wie die in der Kapelle S. Fe- 
lice in Padua, Christus und die V olksmenge mit Ausschluss der 
Schächer darstellt. Die Farbe ist auch hier dunkler, kräftiger 
als bei den Florentinern, die Modellirung noch in der einfachen 
Weise der Giottesken mit wenigen Farbentönen, aber oft sehr 
wirksam angedeutet. Das ethische Element ist vorherrschend. 
der Ernst grösser als der Schönheitssinn. Aber die Volksscenen- 
mit ihren dichtgedrängten, ausdrucksvollen Gestalten sind sehr 
vortrefflich gruppirt und reich an ergreifenden Zügen. In den 
meisten andern Votivbildern tritt dagegen nur das Bestreben nach 
Weicherer Modellirung und einem freundlichen Ausdruck hervor. 
Bemerkenswerth sind in dieser Beziehung zwei Fresken in S. Ste- 
fano, das eine, von dem nur noch der Oberkörper einer Madonna 
in throno erhalten ist, Welche dem Kinde eine Frucht darreicht, 
der Inschrift zufolge die im Jahre 1388 vollendete Stiftung eines 
Giovanni da Biva, das andere ein Noli me langere ohne Datum. 
Wird man schon hier Wenigstens im Allgemeinen an die Richtung 
des Altichieri und Avanzo, wie wir sie in Padua kennen gelernt 
haben, erinnert, so ist dieser Zusammenhang noch deutlicher an
        

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