Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968790
Entstehung 
der 
Vulgärpoesie. 
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mehrere mit solchem Erfolge, dass sie eine hervorragende Stelle 
in der Geschichte der provenzalischel] Literatur einnehmen 
Selbst dem Volke war diese Sprache nicht unverständlich und 
provenzalische Sänger zogen herum, um ihm auf den Märkten 
Lieder des karolingischen Sagenkreises vorzutragen. Noch zu 
Dante's Zeit, wo doch die einheimische Dichtung schon reiche 
Blüthen getragen hatte, war die provenzalische Poesie in Italien 
so verbreitet, dass er Verse aus derselben in der Ursprache in 
sein Gedicht aufnehmen und Troubadours als seinen Lesern wohl- 
bekannte Persönlichkeiten auftreten lassen konnte. 
Allmälig aber begann denn doch die Vulgärsprache sich mehr 
zu tixiren. Bei wachsender Civilisation und lebendigem politischen 
Verkehre musste man doch versuchen, eine allgemeine, auch den 
Kriegsmännern und den Damen verständliche Sprache zu er- 
langen. Es bildete sich daher das sogenannte vulgare illustre, 
eine aus gemeinsamen Bestandtheilen der meisten Dialekte mit 
Hülfe des Lateinischen gebildete Redeweise, die zwar noch un- 
sicher und wechselnd War, aber mit der man sich doch an den 
Höfen und in gebildeteren Kreisen durch ganz Italien verständigen 
konnte. WVar man erst so weit, so lag es auch nahe, in der V ul- 
gärsprache, Wenigstens für gesellschaftliche Unterhaltung, zu 
(lichten. s. 
Bekanntlich geschah dies zuerst in Sicilien, am Hofe Kaiser 
Friedrichs II., und es ist merkwürdig, dass italienische Sprache 
und Dichtung ihre Wiege bei einem halbgriechischen Volke und 
ihre erste Pflege und Förderung durch einen deutschen König 
erhielten. Aber der glänzende Hof dieses geistreichen, für alles 
Schöne empfänglichen Fürsten konnte in dieser Beziehung Wohl 
als der geistige Mittelpunkt Italiens betrachtet werden, und es ist 
begreiflich, dass hier, wo gelehrte und gebildete Männer aus allen 
Theilen Italiens mit Provenzalen und Deutschen als Zeugen eines 
ritterlichen Festlebeils, wie es Italien noch kaum gesehen, zusam- 
mentrafen, ein edler Wetteifer entstand, der zu neuen Versuchen 
ermuthigte. Es scheint sogar, dass Friedrich bewussterweise die 
"Ü Diez, Poesie der Troubadours, 274. Ausser Sordello, dem berühmtesten 
dieser aus Italien stammenden Troubadours, ist besonders der Markgraf Albert 
von Malaspina zu nennen.
        

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