Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-973727
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Malerei. 
neuen Jerusalem (Christus mit den zwölf Aposteln auf Goldgrnnd 
und in architektonischer Eingebung) schliessen, und zwar dies 
Alles sehr ausführlich dargestellt, und endlich hat dann auch noch 
der Altar sein Tafelbild Madonna in throno nebst vielen Heiligen 
und zwölf kleinen Bildern aus der hier nochmals vorgetragenen 
Geschichte des 'l'äufers. 
Man sieht, es ist die ganze heilige Schrift und zwar mit 
einer Vollständigkeit, die kaum irgendwo übertroffen sein möchte. 
Auch ist die Anordnung des Ganzen vortrefflich und höchst wirk- 
sam dem Raume angepasst; in beiden Kuppeln oben Christus, in 
der grössern von dem himmlischen Hofe, in der kleinem von dem 
nähern Kreise seiner Gläubigen umgeben, überall die Eintheilung 
so, dass oben in den dem Auge entfernteren Theileu einzelne 
grössere Gestalten, unten aber historische, der näheren Betrach- 
tung bedürfende Hergänge angebracht sind. Auch die Stellung, 
welche der Apokalypse gegeben, gesondert von den rein histo- 
rischen Hergäugen der Heilsgeschichte und in einem Neben- 
raume, der aber zugleich dem Geheimnisse des Altars gewidmet 
ist, ist sinnreich, und im Einzelnen findet man vielfach anzie- 
hende Züge, die oft durch geschickte Raumbenutzung entstanden 
sindk]. Dagegen ist die malerische Ausführung, obgleich unter 
mehreren Händen auch eine weichere und bessere ist, im Ganzen 
ziemlich schwach. Zeichnung und Gewandung sind völlig giot- 
tesk und sehr unvollkommen, die Figuren steif, die Bewegungen 
hart, die Körper unter den dicken Gewändern kaum zu erkennen; 
Die Nebenfiguren sind zu gehäuft, die Gruppen verwickelt, selbst 
der Ausdruck ist stumpf oder missrathen , so dass z. B. bei dem. 
Kindermortle das Weinen der Mütter noch sehr einem Lächeln 
gleicht. Nur die Farbe ist gut und kräftig, besser als bei den 
gleichzeitigen Florentinern, und trägt in Verbindung mit der räum- 
lichen Anordnung dazu bei, dem Ganzen eine günstige Wirkung- 
zu sichern. 
Der Urheber oder Leiter dieses grossen Werkes steht nicht 
Ü Es würde zu weit führen, wenn ich mit Förstefs ausführlicher 
Beschreibung im Kunstbl. 1838 Nro. 13 contravertiren wollte. Seine un- 
günstige Beurtheilung hat zum Theil ihren Grund darin, dass er die In- 
tentionen des Malers nicht verstand.
        

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