Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-973655
Capella 
S.Gi0rgio 
in 
Padua. 
519 
dieser Gemälde mit denen der Felixkapelle in technischer und 
geistiger Beziehung ist unverkennbar, besonders ist die Kreuzi- 
gung, obgleich anders componirt, der dortigen verwandt; es ist 
dieselbe Mischung giottesker Elemente mit mehr naturalistischen, 
dieselbe WVeichheit der Modellirung. Auch das Votivbild und die 
Bilder aus dem Leben der Maria werden, abgesehen von der Zu- 
ziehung eines schwäehern Gehülfen, den man an einigen Theilen 
erkennt, von demselben Meister herrühren; die Jungfrau und das 
Kind sind darauf, besonders auf der Flucht nach Aegypten, von 
grosser Schönheit und Lieblichkeit. Am stärksten zeigt sich die 
Entwickelung des naturalistischen Elements in den legendarischen 
Bildern. In der Zeichnung sind die giottesken Züge fast völlig 
verschwunden; die Köpfe sind runder, die Körper völliger, die 
Modellirung ist soweit gediehen, dass sie wirkliches Belief giebt. 
Selbst die nackten Theile, die bei den Martern der Heiligen sicht- 
bar werden, sind richtig gezeichnet, und unter den N ebenpersonen 
glaubt man häufig Porträts zu erkennen. 
Wie in der Felixkapelle sind auch hier die Hergänge gern 
in complicirte Baulichkeiten verlegt, aber während dort nur der 
Reiz der Phantasie beabsichtigt war, den schon die Andeutung 
entfernter Räume gewährt, ist hier Alles mit ziemlich richtiger 
Perspective deutlich entwickelt und sehr verständig benutzt, um 
erklärende Nebenscenen darin anzubringen. Die Anordnung ist 
durchweg vortrefflich, die Gruppen lösen sich völlig, die Ereig- 
nisse treten in ihrer natürlichen Gestalt vor unser Auge. Aber 
doch herrscht insoweit noch die Richtung Giottols vor, dass der 
Vortrag noch völlig so schlicht und klar, direkt auf das sittlich 
Bedeutende der Hergänge gerichtet ist. Wenn dennoch diese 
Gemälde nicht völlig das ergreifende Pathos haben, wie Giotto's 
Compositionen in der Arena, so mag dies zum 'l'heil mit dem 
tiefern Eingehn auf die Natur zusammenhängen, welches dem 
Künstler nicht mehr jene rücksichtslose Betonung des Ethischen 
gestattete. Aber zum Theil liegt es auch an den Gegenständen, 
die entweder in feierlichen Scenen, wie z. B. die Taufe des Königs, 
welche St. Georg in einer Kirche vornimmt, oder in Martcrn be- 
stehen, welche wunderbarer Weise die Heiligen nicht verletzen 
und bei denen es also grade geboten war, die Hauptperson ruhig
        

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