Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968786
34 
Italien 
im 
XIII. 
Jahrhundert. 
ein lateinisches Lied an eine Dame zu richten, war schon längst 
unmöglich. 
Es währte lange, ehe man diesen Mangel empfand. Die 
Verhältnisse der Geschlechter waren in den frühem Jahrhunderten 
durch den Einfluss antiker Tradition, südlicher Sinnlichkeit und 
der herrschenden Verwilderung sehr äusserliche und rohe, dann 
unter dem Einflüsse kirchlicher und republikanischer Strenge sehr 
einfache gewesen, und mit dem Entstehen feinerer geistiger Be- 
dürfnisse bot sich auch sogleich ein, wenigstens für einige Zeit 
genügendes Auskunftsmittel dar. 
Bei der herrschenden Annahme, dass das Latein noch immer 
in alter Geltung bestehe, erschienen nämlich die beiden romani- 
sehen N achbarsprachen, das Französische und das Provenzalische, 
den Italienern nicht als fremde Sprachen, sondern eben auch nur 
als besondere Dialekte, die ihnen kaum weniger verständlich wa- 
ren, vielleicht nicht einmal so fern standen, wie manche der vielen 
italienischen Dialekte, und dabei den Vorzug einer höhern Aus- 
bildung hatten. Das Französische war überdies in Folge der 
Kreuzzüge über das ganze Mittelmeer verbreitet und hier schon 
damals die vermittelnde Sprache geworden, welche selbst italie- 
nische Schriftsteller für ihre prosaischen VVerke wählten, um 
ihnen ein grösseres Publikum zu sichern  Für den gesellschaft- 
lichen Verkehr aber empfahl sich noch mehr das Provenzalische, 
das ohnehin den norditalienischeii Dialekten überaus verwandt 
war und mit seinem weichen Klange italienischen Ohren schmei- 
chelte. Hier aber hatte man eine bereits fertige, überaus reiche 
poetische Literatur, von der man ohne Weiteres Gebrauch machen 
konnte. In Oberitalien war daher das Proveirzalische fast einhei- 
misch. Provenzalische Romane Waren die Lectüre der Damen es), 
provenzalische T roubadours an allen Höfen gefeierte und unent- 
behrliche Gäste. Begabte Italiener sangen selbst in dieser Sprache, 
a] "Parca que langne franqaise cort parmi le monde et est 1a plus delitable 
ä lire et ä oi: que nnlle autre." So der venetianische Chronist Martina de 
Ganale; Brunetto Latini im Tesoro giebt einen fast gleichlautenden Grund an. 
"Ü Das Buch von Lancelot, welches Francesca von Rimini und ihr Geliebter 
zusammen lasen (Dante, Inf. V. 128] muss, da es eine italienische Uebersetzer- 
Sprache noch nicht gab, französisch oder provenzalisch gewesen sein.
        

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