Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-973584
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Malerei. 
Nachrichten im Palazzo ducale ausgeführt wurden, sind in Venedig 
nicht erhalten, indessen genügen die 'l'afelbilder, um uns die 
Richtung dieser Schule erkennen zu lassen. Der Anstoss, den 
Giotto der italienischen Kunst gegeben, wirkte zwar auch hier in 
soweit, dass er die ausschliessliehe Herrschaft des byzantinischen 
Styles brach. Aber er erweckte noch nicht den Trieb zur tiefem 
Erfassung des ethischen Lebens, sondern führte nur zu schwan- 
kenden Versuchen, die überlieferten Typen zu beleben und des 
Ausdruckes weicher Gefühle fähig zu machen, ohne den her- 
gebrachten Glanz der Farbe und des Goldes zu beschränken. 
Während Giotto von der äusscrlichen starren Gesetzlichkeit des 
älteren Styles dazu übergegangen war, die Gesetze des inneren 
Lebens zu erforschen, drängten sich hier sofort Regungen eines 
sinnlichen Naturalismus in den Vorgrund, zu deren consequenter 
Ausbildung die geistigen Bedingungen noch fehlten. 
In einem merkwürdigen Contraste zu dieser venetianischen 
Schule steht die, welche sich ganz in der Nähe, in Verona und 
P adua , entwickelte. Wenn jene ziemlich gleichgültig gegen die 
geistigen Vorzüge des giottesken Styls war, ging diese auf das 
Tiefste, ja bis zu selbstständiger WVeiterhildung darauf ein. Aller- 
dings trafen hier besonders günstige Umstände zusammen. In 
Padua hatte Giotto mehrere Jahre gelebt und vielleicht Schüler, 
jedenfalls aber bewundernswerthe Werke hinterlassen, welche 
die künstlerisch gestimmten Jünglinge der Umgegend anzogen 
und ihnen wirksame Studienmittel wurden. Dazu kam hier die 
geistige Anregung, welche die damals blühende, von ihrem Be- 
ginne an im Gegensatze gegen den juristischen Formalismus von 
Bologna auf Vielseitigkeit gerichtete Hochschule, Welche ferner 
die Anwesenheit eines so gelehrten, geistreichen und bewunderten 
Mannes wie Petrarea gewährte, in Verona der grössere Handels- 
reichthum und der ritterliche Sinn, der sich hier am Fnsse der  
Alpen unter den mächtigen Adelsgeschlechtern erhielt. Auch 
die politischen Verhältnisse waren nicht ungünstig. Zwar hatten 
beide Städte ihre republikanische Freiheit eingebüsst, aber die 
herrschenden Familien, in Verona die Herren deila Scala, in Padua 
die von Carrara gehörten grade zu denjenigen dieser Empor- 
kömmlinge, welche sich durch freigebige Begünstigung der Künste
        

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