Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-973568
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Malerei. 
einem aufgehobenen Kloster stammendes Bild bewahrt die Aka- 
demie, und höchst wahrscheinlich ist er auch derselbe Barnabas, 
dem die Pisaner im Jahre 1380 einen Boten nach Genua nach- 
sendeten, damit er die Geschichten des h. Ranieri im Campo santo 
vollendet). Jene Tafeln enthalten sämmtlich Madonnen, meistens 
halbe Figuren, mit dem bekleideten Kinde, zum Theil mit Engeln 
oder Heiligen. Auch hier ist die Körperbiltlilng knapp, die Ge- 
wandung steif und mit Gold verziert, der Farbenton zart und leicht, 
die Gesichtsbildnng der Madonna sogar noch sehr alterthümlich 
mit schmalem Nasenrücken und geschützten Augen. Aber Mei- 
ster Barnabas zeichnet sieh vor den bisher erwähnten Malern 
durch einen feineren Sinn für Schönheit und Anmuth aus, er hat 
dem Kinde, das auf dem Berliner Bilde mit einem Stieglilz spielt, 
auf dem einen der Pisaner an der Brust der Mutter trinkt , naive 
Züge zu geben versucht, und man begreift, dass diese milde, 
wenn auch nicht sehr lebendige Grazie- der Pietät zusagen konnte. 
In dem reichen und bereits an den Luxus der Kunst ge- 
wöhnten Venedig bestand schon jetzt eine zahlreiche Maler- 
gilde, die von dem Geiste Giott0's aber nur schwach berührt 
wurde. Auf einem Altarwerke, das aus S. Francesco zu Vicenza 
in die Pinakothek daselbst gekommen ist und in der Mitte den 
Tod der Madonna, auf den Flügeln zwei Ordensheilige darstellt, 
sehen wir den Paulus de Venetiis, der sich darauf mit der 
Jahreszahl 1333 nennt, noch in vielen Beziehungen byzantiuisirend, 
die Gewänder sind zu conventionellen Falten scharf angezogen, 
die Augen finster beschattet. Aber im Ausdrucke findet man 
schon Spuren giottesker Motive, Christus, der die nonnenhaft ver- 
hüllte Kindesgestalt der mütterlichen Seele emporträgt, steigt 
nicht, wie es byzantinische Regelmässigkeit mit sich gebracht 
hätte, senkrecht, sondern in bewegter, schräger Linie nach oben, 
und die anbetenden Engel sind lieblich und naiv Noch schwä- 
cher sind die Malereien auf der Rückseite der Pala d'Oro, welche 
laut Inschrift ein Meister Paulus (vielleicht derselbe) mit seinen 
Söhnen Lucas und Johannes um 1345 ausführtekäd-t]. Bei Nicolo 
m) Vergl. das Nähere darüber oben S. 483, wo auch schon ausgeführt 
ist, dass er anscheinend diesen Auftrag abgelehnt hat. 
M] Abbildung bei Rosini II. p. 143. 
 Mgr. Paulus cum Luca et Johanne filiis suis pinxerunt hoc opus;
        

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