Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-973489
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Malerei 
gnügen. Wir finden daher eine Fülle von localen Modiiicationen 
desselben und in nicht wenigen Fällen auch schon künstlerische 
lndividualitäteil, welche diesen Provincialismen einen mehr oder 
Weniger vollkommenen Ausdruck zu geben wissen und dadurch 
zum Theil schon über die Grenzen der toscanischen Kunst hin- 
ausgehn. Die Fülle des hier bereits beigebrachten Materials, das 
die Kunstgeschichte nicht unbenutzt lassen darf, nöthigt uns zu 
geordneter Betrachtung der einzelnen Gegenden. 
Zu den wenigst fruchtbaren gehört der Kirchenstaat. 
Rom selbst, das während des grössten Theiles des Jahrhunderts 
die Anwesenheit des Papstes entbehrte und von revolutionären 
Stürmen litt, hatte seit dem Besuche Giottois und der Wirksam- 
keit des Pietro Cavallini wohl kaum irgend einen namhaften 
Künstler aufzuweisen. In der Nähe vonRom finden sich zwar 
einige grössere Arbeiten giottesken Styls, aber so vereinzelt, dass 
sie eher von wandernden Florentinern, als von einheimischen 
Meistern herrühren werden. Dahin gehören die Fresken sehr 
eigenthümlichen Inhalts, welche vor einigen Jahren in dem Sacro 
speco unterhalb S. Scolastica bei Subiaco entdeckt und hergestellt 
sind. Man sieht nämlich am Gewölbe Gott Vater zwischen den 
neun Engelchören, dann in den Lunetten Thaten der Engel, zuerst 
den Kampf der Getreuen Gottes gegen die hier als schillernde 
Thiere (largestellten abgefallenen Geister; dann das bekannte 
Wunder des Erzengels Michael auf dem Berge Gargano; darauf 
eine mystische Darstellung, wo der Engel den Fürsten der XVelt 
oder den Mann der Sünde, der mit den Seinigen in Freuden lebt, 
mit dem Schwerte durchbohrt, endlich die Verkündigung, auf die 
dann an den unteren VVäntlen die Hauptmomente der Geschichte 
(Ähristi von der Geburt bis zur Kreuzigung folgen. Eben so wird 
das grosse Wandgemälde des jüngsten Gerichts, welches sich in 
S. Maria zu Toscanella an der östlichen VVand des Langhauses 
findet, die Arbeit eines wandernden Giottesken sein. Anders ver- 
hielt es sich mit Orvieto, das bald nach dem Beginne seines 
Dombaues (1290) und durch die Anwesenheit der vielen senesi- 
scheu Künstler, die dieser herbeizog, eine fruchtbare Pllanzstätte 
toscauisclter Kunst wurde. Wie gross die Kunstliebe des Städt- 
chens schon frühe war, beweisen die vor Kurzem aufgedeckten
        

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