Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-973471
Venedig. 
501 
Ob wir von Filippo Caletidario, den Vasari nicht kennt, 
die einheimischen Chroniken aber als bedeutenden Bildner rühmen, 
irgend ein plastisches Werk besitzen, muss nach dem, was oben 
bei der Bangeschichte des Dogenpalastes angeführt ist, dahin- 
gestellt bleiben. Aber jedenfalls sind die geistvollen und reizen- 
den Figürchen, welche aus dem üppigen Laubwerke der Capitäle 
an der untern Säulenreihe dieses Palastes hervortreten, voller 
Leben und Schönheitsgefühl und zum Theil nicht ohne Anklänge 
pisanischen Stylsgr). Einige, namentlich die in der Nähe der 
Porta tiella carta werden erst im XV. Jahrhundert, zum Theil 
dann aber geradezu als Copien früherer Capitäle, die andern zwar 
früher, aber doch meistens erst nach dem Tode des Calendario 
(1355) entstanden sein, so dass man die zum Grunde liegenden 
plastischen Gedanken der Spätzeit des Jahrhunderts zuschreiben 
muss, wobei dann zu beachten ist, dass die Kleinheit der Dimen- 
sionen den frühern Meistern eine gewisse Kühnheit, die über die 
Grenzen ihrer Zeit hinauszugelul scheint, den spätem die Nach- 
ahmung der älteren Vorarbeiten erleichterte. 
Mit der Erwähnung dieser wenigen Monumente kann ich 
die. Geschichte der Sculptur des XIV. Jahrhunderts in Ober- 
Italien schliessen. Allerdings ist die Zahl plastischer Arbeiten 
sehr gross; fast jede Stadt kann mindestens einige Grabmäler 
aufweisen, unter denen manche nicht ohne Reiz sind. Aber sie 
bleiben in den Grenzen des Handwerklichen und Gewöhnlichen 
und entwickeln nicht einmal locale Eigenthümlichkeiten, deren 
Betrachtung und Vergleichung ein geschichtliches Interesse böte. 
Ein sehr viel reicheres und mannigfaltigeres Bild gewährt 
die Geschichte der Malerei. Zwar erstreckt sich die Herrschaft 
der Schule Giotlols über ganz Italien und giebt den Erzeugnissen 
aller Gegenden eine gewisse Gleichförmigkeit. Aber doch ist in 
den meisten die Theilnahmc für (liese populäre Kunst und das 
Bedürfniss des Ausdrucks eigener Empfindungen zu gross, um 
Sich mit der blosseu Wiederholung des recipirteil Styles zu be- 
 Vgl. Cicognara tab. Q8 bis 30, 
V01. III. p. 353 1T. mit dem, was oben 
5- 257 beigebracht ist. 
so wie die Auseinandersetzung in 
bei der Baugeschichte des Palastes
        

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