Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-973462
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Sculptur. 
grosse Werk sind die vierzehn Statuen auf dem Architrave am 
Choreingauge in S. Marco zu Venedig, die Jungfrau, S. Marco 
und die zwölf Apostel, als deren Urheber in der ausführlichen In- 
schrift sich Jacobellus et Petrus Paulus fratres de Venetiis mit 
der Jahreszahl 1394 nennent-t). In beiden Werken sehen wir 
diese Meister als treue Nachfolger des lOSCHIIlSClIBII Styls, und 
namentlich sind die Krönung der Jungfrau auf dem ersten und 
einige der schlanken Apostelgestalten des zweiten W'erkes sehr 
schön und edel. Indessen vermissen wir doch schon etwas von 
der schlichten Anmuth und dem feinen Formgefühle der toscani- 
sehen Meister; die Gewanduug ist mehr mit Falten überladen, 
der Schwung der Linien kühner und zum Theil gewaltsam und 
erinnert an die in der gleichzeitigen deutschen SClllplUf beliebten 
Biegungen des Körpers, die Bewegungen sind spröder, und die 
Reliefs erzählen mit etwas trockener Ausführlichkeitwe). Andere 
bezeichnete Werke dieser Meister kennen wir nicht, indessen sind 
die zehn Statuen, welche in der Marcuskirche vor den Seiten- 
nischen des Chors stehen und laut Inschrift 1397 gefertigt sind, 
jenen Aposteln so ähnlich, dass man sie wohl denselben Meistern 
zuschreiben kann. Jedenfalls aber war der toscanisehe Styl nun 
in Venedig schon sehr verbreitet, wie zahlreiche, hin und wieder 
vorkommende Madonneil und Heiligenbilder beweisen, Welche den 
einheimischen Werken der Pisaner Schule in Motiven und Aus- 
führung nahe stehenwiiä), während wir an den Arbeiten der ge- 
wöhnlichen Steinmetzen noch immer jene einheimische Neigung 
für das Breite und Volle wahrnehmen. 
Ü Dass der Venirian Polo nato di Jacomell, tajapietra, welcher laut 
Inschrift das Grabmal Cavalli in S. Gio. Paolo im Jahre 1394 ohne beson- 
deres Verdienst ausführte, ein Sohn dieses Jacobus gewesen, ist wahrschein- 
lich (Cicognara S. 375]. Wenn aber Selvatico (Sulla architettura etc. p. 123) 
den Jacobus Celega und seinen Sohn Petrus Paulus, welche laut Inschrift 1361 
und 1394 am Oampanile der Frari bauten, der Familie delle Masegne zu- 
rechnen will, und Oscar Mothes a. a. O. I. 243 darauf einen ganzen Stamm- 
baum und eine Verwandtschaft mit einer ganzen Zahl unbedeutender Meister 
gründet, so sind das unwahrscheinliche und fruchtlose Hypothesen. 
w) S. bei Cicognara Taf. 36 einige Fragmente aus dem Altar von 
S. Francesco und Taf. 10 zwei Apostel aus S. Marco. 
m") Vgl. bei Cicognara tab. 31, 32 eine Zusammenstellung solcher vene- 
tianischen und toscanischen Statuen.
        

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