Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-973399
in 
Mailand. 
493 
mal des Stefano Visconti, wahrscheinlich eine Reihe von Jahren 
nach seinem Tode (1327) ausgeführt, und endlich die in flachem 
Belief mit vieler Empfindung gearbeiteten Scenen aus der Pas- 
sionsgeschichte am Hochaltare. Aehnliehen Styls ist in S.Marco 
das Grabmal des Rechtsgeli-hrten Salvarinns de Alipraudis 1-1344, 
in S. Giovanui in Couca das, welches Bernabb Visconti sich vor 
seinem Tode (1384) mit seiner Reiterstatue setzen liess, endlich 
das des Azzo Visconti  1339), welches, ehemals in Sßottardo, 
jetzt im Hause des Marchese Triulzio wenigstens grösstentheils 
erhalten ist?) und sogar in der Anordnung den toscanisehen 
Gräbern mehr als die übrigen gleicht. 
Neben den 'l'oscanern und dem toscanischen Geschmacke 
machten sich aber in Mailand "noch immer Einflüsse nordischer 
Kunst und Anschauungen geltend und diesen ist dann ein über- 
aus merkwürdiges, freilich aber auch sehr räthselhaftes Werk 
mailändischer Plastik zuzuschreiben, der berühmte siebenarmige 
Leuchter des Domes, der wie ein mächtiger Baum mit einem un- 
endlichen Reichthume von zum Theil wunderbar schönen Details 
aufsteigt und über dessen Alter die Forscher so abweichend sind, 
dass einige ihn dem XIL, jetzt wohl die meisten dem XIII. zu- 
schreiben, während er nach meiner Meinung erst dem XIV. Jahr- 
hundert angehört im). Die Anordnung erinnert in der That noch 
im ähnliche Werke romanischen Styls; drachenartige Ungeheuer, 
die mit kleineren Thieren kämpfen, bilden die Füsse und tragen 
mit ihren Schweifen eine Kugel, von welcher dann die weitere 
Entwickelung ausgeht; aber das reiche Rankengeflecht, aus wel- 
III. 431 zu günstig. Es ist eine gute Arbeit, aber mit mehr handwerk- 
licher Ausführung. 
 Abbildungen der jetzigen Ueberreste in dem Werke des Herzogs 
Litta über die illustren Familien Italiens (Visconti parte 111.), des ganzen 
Grabes in der Fortsetzung des Giulini I. 387. 
m") Didron, der in den Annales areheologiques XIII. S. 177, 262, XIV. 
341, XV. 263 einige Abbildungen daraus giebt und Bnrckhardt (S. 559) 
schreiben ihn dem XIII. Jahrhundert zu, Lübke (Plastik S. 446] der "ro- 
manischen Zeit". Die Italiener erwähnen des schönen Werkes kaum, selbst 
die Guiden nur, weil die Kapelle darnach dell" albero heisst. ES ist nicht 
Zu leugnen, dass einige Figuren noch sehr alterthümlich erscheinen, aber 
andere sind dafür entschieden neuer und da das Ganze ein Guss ist, müs- 
Sßn diese entscheiden.
        

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