Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-973383
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Toscanische 
Sculptur 
möge seines pisalnischexl Ursprungs leicht zu Theil wurde. Von den 
zwei mit seinem Namen bezeichneten Werken in Mailand wird 
man zufolge der bemerkenswerthen Verschiedenheit der Inschrift 
sowohl wie des Styls nur an dem einen, der Arca des S. Pietro 
Martire in S. Eustorgio vom Jahre 1339, ihm die plastische Ar- 
beit zuschreiben dürfen, während er an dem andern, dem Portale 
der Klosterkirche Brera von 1347, nur als Baumeister fungirt zu 
haben scheint, so dass die überaus schwerfälligen und unschönen 
Statuen, welche von diesem längst abgebrochenen Portale noch 
erhalten sind, nur von einem unvorsichtig gewählten Gchülfen 
herrühren werden?) An jener Arca ist die Anordnung sehr ver- 
ständig und gut; acht Pfeiler mit Statuen von Tugenden tragen 
den Sarkophag, der an seinen senkrechten Wänden und auf dem 
pyramidalen Deckel mit angemessen getheillen Reliefs verziert 
und oben mit den Statuen der Madonna, des h. Dominicus und 
des Petrus Martyr bekrönt ist. In plastischer Beziehung sind die 
acht allegorischen Gestalten des Basaments recht befriedigend und 
lassen wenigtens die Pisaner Schule vollkommen erkennen, die 
obern Statuetten und besonders die Reliefs aus dem Leben des 
Heiligen dagegen sind ohne Empfindung und von nngeschickte- 
ster Anordnung, was denn doch, wenn man auch die Ausführung 
einem Gehülfcir zuschreibt, wenigstens theilweise dem Meister 
zur Last fällt. Ausser diesen WVerken des Balducci finden sich 
aber in den Mailänder Kirchen, sei es dass auch andre 'l'oscaner 
nach Mailand gekommen waren, oder dass das Samenkorn tos- 
canischeil Styls, obgleich nur von Balduccfs Hand ausgestreut, 
bei den in Mailand einheimischen Meistern einen so fruchtbaren 
Boden fand, werlhvolle plastische Wierke, welche neben den 
Spuren des älteren rohereil Styls auch pisanische Züge tragen. 
Mehrere Werke dieser Art befinden sich in derselben Kirche 
S. Enstorgio; so die laut Inschrift im Jahre 1347 gestifteten Re- 
liefs aus dem Leben der heiligen drei Königew), dann das Grab- 
i") An der Arca lautet die Inschrift: Magister Johannes Balducci de 
'Pisis sculpsit hanc arcam A. D. 1339, an dem Portal aber hiess es: 
Hedificavit hanc portam. Oicognara III. 247, die Abbildung der Portals- 
statuen bei demselben tab. 36, die der Arca bei Agincourt Sc. tab. 34. 
8a) Die Abbildung bei Gicognara Taf. 37 ist zu ungünstig, sein Urtheil
        

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