Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-973375
Toscanische 
Sculptur 
in 
Mailand. 
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vorübergehend oder doch mit sehr viel geringerem Lobe gedenkt. 
Daher erklärt sich denn auch, dass die Sculptur immer nur beim 
Beginn einer neuen Kunstrichtung sich in ihrer vollen Bedeutung 
zeigt, dass selbst in Toscana nach Andrea Pisano uns kein Pla- 
stiker von hervorragender Geltung entgegentritt. Denn Orcagna, 
den man nennen könnte, ist in seiner geistigen Richtung mehr 
Maler als Bildner, und erst als die Schule Giotto's ermattete, als 
andre Bedürfnisse erwachten, die ihre Dienste auF s Neue erfor- 
derten, nahm die Plastik wieder einen höhern Aufschwung. 
Noch stärker als in Toscana ist diese Unterordnung in den 
übrigen Gegenden Italiens. Die Aufgabe der plastischen Vorarbeit 
War schon in Toscana vollbracht, und die darauf beruhende tos- 
canische Kunst wurde nun in den meisten Gegenden Italiens durch 
Giotto zunächst als Malerei eingeführt, der dann die toscanische 
Bildnerei stillschweigend folgte. Allerdings machten sich dann 
hin und wieder andere Bedürfnisse oder locale Eigenheiten gel- 
tend. Aber nur in der Malerei riefen sie bedeutende Leistungen 
hervor, welche die toscanische Ueberlieferung weiter förderten, 
während sie in der Sculptur nur als schwache Modilicationen oder 
gar Hindernisse derselben erscheinen. Auch ist die Zahl der 
nennenswerthen plastischen Werke überaus gering und bei eini- 
gen derselben die Entstehung durch toscanische Hände erwiesen 
oder doch wahrscheinlich. 
Es scheint deshalb zweckmässig, die Geschichte der ausser- 
toscanischen Kunst mit den wenigen hervorragenden Leistungen 
der Sculptur zu beginnen, und zwar zunächst mit Mailand. Hier 
nämlich linden wir schon 1339 einen Bildhauer aus Pisa, Gio- 
vanni Balducci, ansässig und mit kostbaren Arbeiten betraut, 
der uns recht deutlich zeigt, in welchem Ansehen toscanische Kunst, 
in diesen Gegenden stand. Dass man ihn seiner Verdienste halber 
aus T oscana hierherberufeix, ist kaum glaublich, da zwei mit sei- 
nem Namen bezeichnete YVerke in seiner Heimath, ein Grabmal 
in S. Francesco bei Sarzana (1322) und eine Kanzel zu Casciano- 
bei Pisa, sehr geringen Werthes sind. Vielmehr war wohl eher 
die Schwäche seines Talents die Ursache, dass er, um der Con- 
currenz mit so vielen bessern Kunstgenossen zu entgehen, in? 
andern Gegenden Beschäftigung suchte, die ihm dann auch ver-
        

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