Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-973365
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Verhältniss 
der 
Plastik 
Zllf 
Malerei. 
Meinung der Zeitgenossen, welche, auch wenn sie irrig sein 
sollte, doch Beachtung verdienen Würde. Allein in der That lässt 
Sie sich auch sehr wohl erklären. 
Allerdings spielt die Sculptur in derEntwickelung derKunst, 
und besonders der toscaxiischen eine bedeutende Rolle. Die Bild- 
hauer treten gewissermassen als Vorkämpfer auf; wenn die An- 
tbrderung der Verarbeitung neuer Motive an die Kunst herantritt, 
sind sie es zuerst, die sich daran versuchen und mit den Schwie- 
rigkeiten ringen. Niccolo Pisano bricht für Cimabue und Duccio, 
Giovatini für Giotto die Bahn, und wenn dieser dann auch so 
mächtig wirkt, dass die Seulptur sich seinem Einflüsse tinterwer- 
fen muss, so bleibt doch für Andrea Pisano der Ruhm, der vor- 
herrschenden Richtung auf das Pathetische die Grenzen des Mass- 
vollen und A n muthigen gezeigt zu haben, die sie nicht überschreiten 
dürfe. Licberhaupt kann man behaupten, dass die toscanische 
Malerei einen grossen Theil ihrer Vorzüge, die Feinheit des 
Sinnes für Schönheit und Form, die ruhige und klare Haltung, 
die Bestimmtheit des Ausdrucks dem Vorgange und dem engen 
Zusammenhangs: mit der Plastik verdankt. Diese ist ihre Lehre- 
rin gewesen und bleibt ihr, zur Erhaltung des ihr dadurch einge- 
ptlanzteti plilSilSPllCl] Elements, auch später, nachdem sie Reife und 
Selbstständigkeit erlangt, eine nützliche, ja unentbehrliche Beglei- 
terin. Aber die l-lerrin ist sie nicht; das gemeinsame Ziel beider 
in dieser Weise innig verbundenen Künste ist gradezu ein male- 
risches, und die Sculpttlr sehliesst sich sowohl in der sittlichen 
Auffassung der Motive, als in der Anordnung mehr und mehr der 
Schwesterkunst an. Und zwar ist dieseNachgiebigkeit nicht eine 
Schwäche der einzelnen Meister, sondern die nothwendige Folge 
der Richtung des Zeitalters auf weichere Gefühle, die eben nur 
in der malerischen Auflassung ihren Ausdruck finden. Die Male- 
rei ist daher die populäre, Allen verständliche, die tonailgebettde 
Kunst. die Sculptur steht immer in einer Unterordnung zu ihr, sie 
ist. entweder eine Vorstudie oder eine Uebersetzung in andere 
Form. Wie stark dieses Uebergewicht der Malerei ist, beweist, 
mehr noch als Petrarca's Zeugniss, die Schrift des spätem Ghi- 
herti, der, obgleich selbst Bildner und für dieAntike schwärmend, 
fast nur von den Malern ausführlich redet und der Bildhauer nur
        

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