Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968754
Schlussbetrachtuug. 
31 
tigkeit, Kraft und Energie der Charaktere. Weiteres würde uns 
zu sehr in die Particulargeschichteil des zersplitterten Landes hin- 
einführen, während der Gesammtgeist desselben sich besser in den 
öffentlichen Einrichtungen und Zuständen, die ich zu schildern 
versucht habe, spiegelt. Bei der Feinheit des Sinnes, bei der Em- 
pfänglichkeit für Kunst und Wissenschaft, für Frömmigkeit und 
bürgerliche Tugend, die sich daraus ergeben, können die Unruhen, 
die Fehdelust, die Grausamkeiten und Llngerechtigkeiten, die auf 
der Oberfläche der Geschichte schreckend hervortreten, unmöglich 
einer innern Rohheit und Barbarei zugeschrieben werden. Sie 
hängen vielmehr mit allen günstigen Erscheinungen der Zeit zu- 
sammen, sind Aeusseruugen derselben Jugendlichkeit und Kraft- 
fülle, welche auch diese hervorbringt, und Consequenzen der 
Freiheitsliebe, die durch die Mischung römischen und germani- 
schen Blutes entstanden und durch das republikanische System 
nur weiter entwickelt war. Durch das Nebeneinanderbestehen so 
vieler mehr oder minder wohlhabender und mächtiger Freistädte, 
von denen jede ein selbstständiger Mittelpunkt sein, jede allen 
Bedürfnissen ihrer Bürger genügen, keine der andern nachstehen 
wollte, entstand ein Wetteifer, der die höchste Anspannung aller 
Kräfte zur Folge hatte. Jedem Talente, dem künstlerischen undf 
wissenschaftlichen wie dem des Staatsmannes und Kriegers, war 
ein weites Feld geöffnet, jedem Ehrgeize ein lockendes Ziel ge- 
stellt, alle Kräfte wurden so geübt und gefördert, dass ihnen zu- 
letzt selbst die Fülle der Aufgaben nicht genügte, und dass durch 
ihre Anhäufung eine Ueberreizung und Gährung entstand, welche 
die öffentliche Ruhe gefährdete. Jene Parteikämpfe verzehrten 
diesen Krankheitsstoff, waren gewissermassen Selbsthülfen des 
socialen Organismus, durch die er sich seines Uebertlusses ent; 
ledigte. Aber freilich Waren sie nur Palliativmittel, die das Uebel 
allmälig verschlimmerten. Denn während die leidenschaftlichen 
Ueberschreitungen der Sieger stets den Stoff zu neuen Kämpfen 
lieferten, wurde durch diese Kämpfe selbst die individuelle Kraft 
noch mehr zu entschlossener 'l'hat, kaltblütiger Beobachtung und 
energischer Anstrengung ausgebildet und ein höheres Kraftgefühl 
mit grösseren Ansprüchen erzeugt. 
Das grösste Uebel war, dass es an einer allgemein gültigen
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.