Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-973323
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Toscana. 
Figuren; die bekleideten sind wulstig und nnbehülflich, und die 
nackten Gestalten erscheinen wie ausgestopft ohne deutliches Be- 
wusstsein der Knochen- und Muskelbildung. 
Welche Gründe die Vorsteher des Baues bestimmten, sich in 
derselben Zeit wo in Pisa selbst Nicolaus Petri im Franciscaner- 
kloster malte und wo es Wenigstens in Florenz nicht an guten 
Malern fehlte, nach dem kleinen Orvieto zuwenden, ist schwer zu 
errathen. Vielleicht kam es ihnen, nach den ungünstigen Erfah- 
rungen, welche sie bei den früheren Gemälden gemacht hatten, 
besonders auf dauerhafte und solide Technik an. Allejene frühe- 
ren Bilder sind noch nicht in eigentlicher Frescomalerei, ganz auf 
frischen Kalk, sondern in der in Giotto's Schule bisher üblichen, 
von Cennino beschriebenen WVeise ausgeführt, welche eine Voll- 
endung in 'l'emperafarben voraussetzte. Pietro ist der erste, der 
hier jenes nachher s g. gute Fresco anwendeteät), und vielleicht 
war es grade die Kunde von seinem Verständniss dieser neuen 
'l'echuik, welche ihm bei den schlimmen Erfahrungen, die man 
über die Dauerhaftigkeit der älteren gemacht hatte, diese Be- 
rufung verschaffte. Jedenfalls würde aber auch dies die Sorgfalt 
beweisen, mit welcher die Leiter solcher künstlerischen Unter- 
nehmungen damals verführen. 
Zum Beschlusse habe ich noch der G0 ldschmiedekunst 
zu gedenken, die ebenfalls in 'l'oscana vorzugsweise blühte. Die 
Grundlage dieser Blüthe lag allerdings zunächst im Gewerbe, das 
vermöge des mereaxitilischen, die Bedürfnisse der Mode und des 
Luxus benutzenden Sinnes der Toscaner und des reichen Kunst- 
lebens, das Vorbilder für jene Zwecke gewährte, hier einen gros- 
sen Umfang erreichte. Dazu kam dann aber jener eigenthümlich 
italienische Kunstbegriff, der die bildenden Künste als ein Ganzes, 
als die Aeusscrung eines und desselben 'l'alentes betrachtete, und 
daher auch die, welche nur mit irgend einem Kunstzweige be- 
schäftigt waren, leicht zu Versuchen auf verwandten Gebieten 
veranlasste. S0 geschah es, dass einzelne Goldschmiede ganz über 
die Grenzen ihrer 'l'echnik hinausgingen, wie jener Landus, dem 
3') So 
folge. 
ich 
versichert 
Förster 
dessen 
sachkundigem 
Urtheile
        

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