Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-973268
480 
Toscanische 
Malerei. 
teressant. Es sind acht, symmetrisch am Gewölbe angebrachte 
Malereien, die sieben Sakramente und als Anfangs- oder Schluss- 
bild die Kirche. Diese ist in ungewöhnlicher Allegorie dargestellt, 
nämlich als gekrönte, mit priesterlich Weitem Mantel bekleidete, 
aber jugendliche, weibliche Gestalt, die von einem ziemlich typisch 
und starr aufgefassten Christus überragt, unter einem Baldachin 
von kirchlicher Architektur verschiedenen Heiligen sowie zwei 
Königen im Lilienkleide und mit dem bekannten Gesichte der 
Anjoifs den Kelch vor-hält. Auf den sieben andern Bildern sind 
dann die Sakramente nicht allegorisch, sondern in wirklicher 
Handlung dargestellt, alle in angemessener Architektur, mit sehr 
ansprechenden, aus dem Leben gegriffenen Zügen und anmuthi- 
gen Weiblichen Gestalten. Das Ganze ist offenbar das Werk 
eines recht tüchtigen, aber nicht gerade ungewöhnlich hervorra- 
genden Meisters toscanischer Schule. 
Die grossartigsten Aufgaben, die dieser Schule geboten wurden, 
erhielt sie indessen in Toscana selbst, als die Pisaner begannen, 
die Wände ihres grossen, von Giovanni Pisano erbauten Campo 
santo mit Malereien zu schmücken. Wie früher erwähnt, besteht 
das Gebäude in einem breiten und hohen Corridor, welcher das 
schmale und langgestreckte Viereck des Friedhofs umschliesst, 
auf der innern Seite mit grossen Fenstern geöffnet ist, auf der 
äussern aber kahle Wände bildet, welche zu malcrischem Schmucke 
einladen und dazu auf jeder der langen Seiten Flächen von mehr" 
als 400, auf jeder der kurzen von mehr als 120 Fnss Länge 
und dabei von bedeutender, für zwei grosse Wandgemälde ge- 
eigneter Höhe darboten a). Die Benutzung dieser Flächen zu sol- 
chem Zwecke erfolgte indessen erst später, indem die Commune 
sich anfangs mit einzelnen, jetst verschwundenen Madonnenbil- 
dern in der Kapelle auf der Ostseite und über der Eingangsthüre 
begnügte. Gegen die Mitte des XIV. Jahrhunderts entstanden 
nun durch Privatstiftungen einige noch jetzt theilweise erhaltene 
i") Für das Folgende sind, ausser einem gelungenen Aufsatze von 
E. Förster, Beiträge S. 114, die urkundlichen Forschungen von Bonaini in 
den Memorie inedite maassgebend gewesen. Vgl. die Abbildungen in den 
grösseren Stichen des Carlo Lasinio und in dem kleineren Werke seines 
Sohnes Paolo Lasinio (Pisa, 1833).
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.