Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-973193
Capel 
degli 
Spagnuoli. 
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der Linien und für das Grossartige besassi). Er hat eine ge- 
wisse Verwandtschaft mit Nicolaus Petri, die aber doch nicht bis 
Zur Gleichheit geht. 
Höchst ausgezeichnet und verdienter Weise berühmt sind die 
Fresken des Kapitelsaales, oder, wie man ihn später nannte, der 
Ca p e l l a d eg li S pa g n u 0 li im Kloster von S. Maria uovella. Die 
Eingangswantl enthält fast verloschcne Scenen aus dem Leben 
des h. Dominicns, die gegenüberliegende Altarwand diePassions- 
geschichte, und zwar so, dass die einzelnen Scenen nicht, wie es 
in Italien damals und noch viel später üblich war, von einander 
völlig getrennt und besonders eingerahmt, sondern nur durch das 
bergigeTerrain geschieden sind und so ein einiges, von demselben 
Himmel bedecktes, landschaftliches Bild geben mit). Aufder linken 
Seite beginnt der Kreuzeszug, oben auf dem Berge ist dieKreuzi- 
gung, auf der andern Seite die Niederstcigung zur Hölle, Während 
Auferstehung und Himmelfahrt in den beiden diesem Bilde ent- 
sprechenden Gewölbkappen angebracht sind. Alles dies ist sehr 
vortrefflich ausgeführt, im Ganzen noch in strengem Style, aber 
doch recht lebendig und mit aus dem Leben gegrilienenEpisoden. 
Besonders ist die Gestalt Christi, schon bei der Höllenfahrt und 
dann in den beiden Gemälden am Gewölbe, ausserordentlich schon, 
im weissen Gewande mit jugendlichen Zügen und in leichter 
Haltung, welche wirklich die Vorstellung des verklärten Leibes 
erweckt. Bekannter und mehr besprochen sind die allerdings 
merkwürdigen allegorischen Darstellungen auf den beiden Seiten- 
wänden. Die eine ist ziemlich einfachen Inhalts, die Verherrlichung 
des h. Thomas von Aquino, also derselbe Gegenstand, wie auf 
"Ü Der bekannte grosse Stich von Ruscheweyh giebt die Formen etwas 
zu schwer. Die Ansicht, dass die Arbeit nicht von Giotto sein könne, ist 
zuerst von Rumohr aufgestellt, und findet kaum noch Widerspruch. 
H] Es ist merkwürdig, dass Vasari [im Leben des Simon) diese Ver- 
bindung verschiedener Momente derselben Geschichte in Einer Landschaft, 
Vvelche bekanntlich im XV. Jahrh. in der niederländischen Schule stets an- 
gewendet, und von den Kritikern des XVIII. und selbst des XIX. Jahrh. 
oft als ein Verstoss gegen Wahrheit und Natur gerügt wurde, als eine 
grosse Weisheit rühmt. Simon sei verfahren, nicht wie ein Meister jener 
frühem Zeit, sondern wie ein moderner und sehr ausgezeichneter Meister, 
indem er es vermieden, was noch viele Neuere thäten, vier oder fünf Mal 
Erde oberhalb des Himmels zu geben.
        

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