Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-973183
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Toscanische 
Malerei. 
chend. Besondere Erwähnung verdienen die Seene im Hause, wo 
die geschäftige Martha mit der Schürze bekleidet nach aussen, 
gleichsam auf die vielen zu besorgenden Wirthschaftsgeschäfte 
hinweist, während die Jünger wie Maria gespannt nach dem 
Munde des Herrn blicken, dann die Erweckung des Lazarus, der 
hier ganz abweichend von dem Herkommen und selbst von 
Giottois Beispiel, zwar mit dem Ausdrucke des Erstaunens, aber 
rüstig und freudig aus dem Grabe hervorschreitet, und endlich der 
Hergang am Grabe Christi, wo der Engel von höchster Schön- 
heit ist. Es ist nicht undenkbar, dass statt des Taddeo sein Sohn 
Angele Gaddi der Urheber sei; die weibliche Anmuth und die Art 
des Vortrags erinnert wohl an die Gemälde in Prato, und es kann 
sein, dass Vasari, der den Namen Gaddi hörte, wegen der un- 
günstigen Vorstellung, die er von dem Sohne hatte, sie dem 
Vater beilegte. 
Noch dunkler ist es, von wem die Malereien in dem ehe- 
maligen Refectorium von S. Croce herrühren, die Vasari dem 
Giotto zuschreibt. Sie füllen die ganze Giebelwand des gewal- 
tigen kirchenartigen Raumes, der jetzt leider als Teppichfabrik 
dient; zunächst das Abendmahl in mehr als lebensgrossen, höchst 
würdigen und ernsten Gestalten die ganze Breite der Wand ein- 
nehmend; darüber in der Mitte, wie Vasari sagt: ein Kreuzes- 
baum, nämlich Christus am Kreuze, dessen Füsse der h. Francis- 
cus umklammert, neben welchem dann ausser den h. Frauen des 
Evangeliums der h. Ludwig und andere Franciscaner und Domi- 
nicaner stehn, und dessen Stamm sich oben zu Ziveigen ent- 
wickelt, an denen die Evangelisten und Propheten herauswachsen, 
Welche in Medaillons die Tugenden Christi rühmen. Neben die- 
sem Mittelbilde stehen auf jeder Seite zwei Bilder ans den Le- 
genden des h. Franz und des h. Ludwig, alle mit der dem mön- 
chischen Speisesaale entsprechenden 'l'endenz, zur Enthaltsamkeit 
aufzufordern. Alle diese Malereien sind sehr tüchtig, in kräftiger 
Farbe und mit ernstem Geiste ausgeführt, aber gewiss nicht von 
Giotto, sondern von einem späteren Meister, der weniger geist- 
reich, weniger dem Ausdrucke neuer Gedanken hingegeben war, 
und seine Zeichnung mit Details, die er schon genauer studirt 
hatte, etwas überlud, aber doch ein feines Gefühl für Schönheit
        

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