Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-973140
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Toscana. 
Zahl angesehener Meister. Der bedeutendste derselben war ein 
Maler, dessen Lebensumstände wir sehr wenig, ja dessen 
Namen wir nicht einmal genau kennen, da Ghiberti ihn Barna 
(Barnabä) und Vasari Berna (Bernardo) nennt. Der erste Name 
ist nach den Localforschungen vielleicht der richtigere  der andre 
aber üblich geworden. Er scheint viel ausserhalb Siena gearbeitet 
zu haben und ziemlich jung, wie Vasari angiebt 1381, gestorben 
zu sein: Im Dome von Arezzo ist von ihm ein Crucilixus mit dem 
Donatar erhalten, in Rom schreibt man ihm M) die sehr lieblichen 
Malereien an dem Tabernakel des Lateran zu, die aber so stark 
übermalt sind, dass man nicht weiss, was daran ursprünglich ist. 
Sein Hauptwerk, die umfangreichen Fresken aus dem Leben 
Christi???) in der Hauptkirche zu S. Gimignano an der VVand 
des rechten Seitenschißes, welche zwar an einigen Stellen eben- 
falls übermalt, aber im Ganzen noch sehr wohl erhalten sind, 
zeigen ihn sehr bedeutend. Die so oft dargestellten Hergänge sind 
mit vielen neuen Zügen bereichert, die in Giottois Weise auf feiner 
psychologischer Beobachtung beruhn. Die Hochzeit zu Cana mit 
der milden, freundlich bittenden Maria neben dem strengen Chri- 
stus und der bei mässiger Figurenzahl lebendig geschilderten Be- 
Wegung des Festes, der Verrath des Judas, wobei dieser durch 
das flüchtige, verstohlene Einnehmen des Blutgeldes sein böses 
Gewissen erkennen lässt, während die Priester es mit einer ge- 
wissen anständigen Zurückhaltung ihrer Freude zahlen, und 
endlich die Kreuzigung sind wirklich ausgezeichnete Compositio- 
nen. Die Behandlung zeigt noch Anklänge an die alterthümlirhen 
Traditionen der senesischen Schule, nähert sich aber in vielen 
Beziehungen, namentlich in der liebenswürdigen, unmittelbar zur 
Sache gehenden Auffassung und in dem dramatischen Leben der 
Ü Anm. z. Vasari II. 160. 
"Ü Nicht nach Vasari, der seinen Aufenthalt in Rom nicht erwähnt, 
sondern nach einer spätem von della Valle in den Lettere Sanesi bekannt 
gemachten Notiz. Abbildung bei Agincourt tab. 129. 
w") Man kann nicht zweifeln, dass diese Gemälde ihm angehören und 
dass es ein Irrthum Ghibertfs war, wenn er ihm Gemälde "aus dem alten 
Testament" zuschrieb, welche sich auf der gegenüberstehenden Wand be- 
finden und deren Urheber sogleich im Texte genannt werden wird. Vergl. 
Rumohr II. 109 und die Herausgeber des Vasari I. p. XXVII.
        

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