Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-973121
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Die 
Schule 
VOIl 
Siena. 
Kaiser, sondern das Stadtregiment darstellt de). Ueber ihm stehen 
die drei s. g. theologischen, zu jeder Seite drei bürgerliche Tu- 
gendeu, nämlich die bekannten Kardinaltugenden, verstärkt durch 
Pax und Magnanimitas. Daneben eine bewaffnete Reiterschaar, 
und andrerseits Gefangene, 'l'ributbringende, Flehende und be- 
strafte Uebelthäter. Alle diese Gestalten sind höchst vortrefflich 
charakterisirt und ausgeführt; der Friede liegt in der Ecke seines 
Sessels so behaglich, die Klugheit trägt so sehr dieZüge ernsten 
Nachdenkens und reifer Ueberlegung u. s. f., dass die Allegorie 
durchweg lebendig wird. Diese (am besten erhaltene) Wand gibt 
also das allegorisch dargestellte Bild des Wohl regierten Siena. 
Auf der folgenden sehen wir die Wirkungen dieses guten Regi- 
ments. Wir haben die bergige Stadt mit ihrem Dome vor uns; 
die Strassen sind von Handeltreibenden vor offenen Läden oder 
von friedlichen Vergnügungen belebt, hier wird getanzt, dort 
kommt ein Hochzeitszug. Daneben in Feld und Wald Ackerbau, 
Fischerei, Jagd, mit beladenen Karren bedeckte Landstrassen, 
und endlich im Hintergründe ein Seehafen, dessen Besitz die Se- 
neser wünschten und den der Maler ihnen hier in der Perspective 
zeigt. Ueber dieser Scene schwebt dann oben die allegorische 
Gestalt der Sicherheit, welche zur Abschreckung der Uebelthäter 
einen Galgen, an dem ein solcher hängt, emporhebt. Auf der 
-dritten VVand endlich ist der Gegensatz dargestellt, die schlechte 
Regierung. Neben einer thurmreichen Stadt sitzt die Tyrannei, 
eine Missgestalt mit Hörnern, grossen hervorragenden Hauern, 
in Eisenrüstung, mit blutrothem Mantel, Gift und Dolch führend. 
Ueber ihrem Haupte stehen Geiz, Stolz und Eitelkeit, zu ihren 
Seiten hier Grausamkeit, Verrath, Betrug, dortWuth, Zwiespalt, 
Krieg, unter ihren Füssen endlich die Gerechtigkeit gebunden 
und gemisshandelt, während daneben Räubereien und andere 
Verbrechen begangen werden. Auf der andern Seite, die sehr 
gelitten hat, erkennt man noch brennende und zerstörte Schlösser, 
4') Die Beweise dafür siehe in der ebenangeführten Beschreibung von 
Milanesi. Auch sonst wird um diese Zeit das Stadtregiment nicht in weib- 
licher Gestalt, sondern als Richter männlich dargestellt z. B. am Grabe des 
Guido Tarlati die Commune von Arezzo und auf dem von Vasari beschrie- 
benen Bilde von Giotto die von Florenz (Vas. I. 334).
        

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