Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968720
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Oeffentliche 
Feste. 
wie das Beispiel auf die Nachbarstädte wirkte, wie jede bestrebt 
war, die andern in Freigebigkeit und im Glanz der äussern Er- 
scheinung WO möglich zu überbieten. Bei der Betrachtung der 
Monumente werden sich uns noch mehrere Aensserungen dieses 
Schönheitsgefühles und Wetteifers darbieten, und es mag hier ge- 
nügen, auf die bekannte Urkunde vom Jahre 1300 hinzuweisen, 
in Welchem die Stadt Florenz dem Baumeister des Doms, Arnolfo, 
die Steuerfreiheit verleiht, weil sie, wie es darin ausdrücklich 
heisst, durch seine Kunst einen schönem Tempel zu besitzen 
hoffe, als irgend eine andere Stadt 'I'oscana's.  
Zu der bleibenden Pracht der Monumente kam dann der vor- 
übergehende Glanz der Feste. Bei öffentlichen Veranlassungen, 
also etwaan dem jährlichen Festtage des Schutzpatrons der Stadt, 
wie in Florenz am Johannistage, beim Einznge eines fürstlichen 
Gastes oder auch wohl eines auswärts berühmt gewordenen Mit- 
bürgers und dgl. bewilligte man die Kosten der Beleuchtung ge- 
wisser Plätze, Beiträge zu Festaufzügen und besonders Preise für 
die beliebte Ergötznilg der Pferderennen, Wettläufe und WVett-_ 
kämpfe, bei denen man weniger an gymnastische Uebung des 
Volkes als an das Spannende des Anblicks dachte. Es verhielt 
sich damit schon im XIII. u. XIV. Jahrhundert fast genau so. wie 
noch heute. Häufig wurden aber auch Feste ohne besondere Ver- 
anlassung, rein aus Festlust, veranstaltet, wobei dann vornehme 
Familien oder Adelsgesellschaften vorangingen, die Commune-n 
aber doch auch wohl einen Beitrag zur Erhöhung der öffentlichen 
Freude gewährten. Ein Fest dieser Art in Florenz dauerte ein 
Mal zwei Monate; die Familie der Rossi hatte durch einen Anf- 
zug von wohl tausend weissgekleideten Personen unter der An- 
führung des Fürsten der Liebe den Anfang gemacht, Andre woll- 
ten nicht nachstehn, und ein reicher VVechsel von 'l'änzei1 und 
andern Unterhaltungen. die erst von jungen Leuten des Adels, 
dann durch herbeigerufene Gaukler und Schauspieler ausgeführt 
wurden, gab jedem Tage neuen Reiz. Ein ähnliches Fest hatte 
Padua schon 1208 gehabt; aus jeder der verschiedenen Strassen 
oder Stadtviertel zogen anders gekleidete Schaaren auf die für 
solche Zwecke bestimmte städtische VViese (pratum vallis] , wo 
dann Spiele und VVettkämpfe folgten. Noch anmnthiger klingt
        

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