Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-973036
Simon 
Martini. 
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seiner Werke und die Bestellungen und Berufungen, die er bei 
Seinem Leben erhielt, beweisen, dass er seinen Ruhm nicht erst jener 
Empfehlung verdankte, und seine erhaltenen WVerke setzen sein 
Verdienst ausser Zweifel. Vasari erklärt ihn für einen Schüler 
Giottols, aber seine Werke, namentlich schon sein erstes Jugend- 
Werk, beweisen das Gegentheil. Es ist dies das grosse Fresco- 
bild, welches mit Einschluss seiner Randverzierungen die ganze 
fast 40 Fuss breite und 50 bis 60 Fuss hohe WVand im grossen 
Rathssaale des öffentlichen Palastes von Siena füllt. Madonna 
sitzt auf dem Throne unter einem reichen, von acht Heiligen ge- 
tragenen Baldachine, auf ihrem Schoosse steht das segnende 
Kind, auf jeder Seite knien zwei Engel, Körbe mit Blumen darrei- 
chend, und die vier Patrone der Stadt, dahinter dann noch andere 
Engel und Heilige, zusammen (ohne die Heiligenköpfe in der Ein- 
rahmung des Feldes) über dreissig Figuren. Die Anordnung ist 
lmgeachtet der vielen Köpfe und Heiligenscheine klar, edel, und 
frei von der Monotonie horizontaler Linien, die sich dabei so leicht 
einfindet. Die Ausführung zeigt noch Anklänge des älteren Sty- 
les und Unvollkommenheiten in der Modellirung und Zeichnung, 
aber die Jungfrau und das Kind sind von so grossartiger Schön- 
heit und die übrigen Gestalten von so zarter Emptindung und so 
liebenswürdiger Unschuld und Innigkeit, dass das Ganze zu den 
anziehendsten Werken dieser Zeit gehört und ganz dem schlich- 
ten und frommen Geiste entspricht, den einige am Fusse des 
Throncs angebrachte italienische Verse ausdrücken?) Eine 
Aßusserungen "dem armen Leben Meister Simon's" mehr Ruhm gegeben hätten 
ülld geben würden, als alle seine Werke. Die Sonette Nro. 56, 57 u. 99 
in Petrarcak Gedichten sind auch bei Cicognara III. 307 abgedruckt. 
 In einem ersten Verse scheint das Christkind zu sprechen: 
Li angelichi fiorecti, rose e gigli 
Onde s'adorna 10 celeste prato 
Nou mi diletton piü che bucn consigli 
Ma talor veggic chi per proprio stato u. s. w. 
(Die Engelsblumen, Lilien und Rosen, mit denen sich der Himmelsgarten 
schmückt, Erfreuen mich nicht mehr als guter Rath. Doch manchmal seh 
ich, der zu eignem Vortheii Verachtet mich und täuschet meine Stadt etc.) 
In einem zweiten Verse, der ausdrücklich als Responsio virginis ad 
dicta Sanctorum überschrieben ist, eröffnet sie den Heiligen, dass sie ihre 
frommen, ehrsamen Bitten erhören werde. Aber für die Mächtigen, welche
        

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