Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-973008
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Plastik 
und 
Malerei 
in 
Toscana. 
namentlich des Giovanni Pisano, und gehen nur in der malerischen 
Behandlung der Hintergründe etwas Weiter als dieser und als diese 
Schule überhaupt, vielleicht aber auch nur , Weil es der Gegen- 
stand, die Darstellung so vieler Belagerungssceneu zu erfordern 
schien. 
Viel bedeutender und eigenthümlicher als die Sculptur ist die 
Maler schule von Si ena. Sie leistet wirklich den Neuerungen 
Giottds Widerstand, behält von den Traditionen der älteren 
Schule, die dieser verwarf, nicht bloss Technisches, die dunklere 
und mit zäherem Bindemittel aufgetragene Farbe, die grünlichen 
Töne des Fleisches und Anderes, sondern auch das Streben nach 
idealer Schönheit und kirchlicher Strenge in höherem Grade bei, 
und entwickelt daraus eine eigne Tendenz. Man könnte dies schon 
dadurch erklären wollen, dass Siena bei Giottds Auftreten und 
noch während seiner Blüthezeit einen Meister wie Duccio besass. 
Welcher die Tendenz der ältern Schule zu höchster Vollendung 
durchführte. Allein dieseLeistungen Ducci0's Waren weniger die 
Ursache, als schon selbst eine Wirkung der Eigenthümlichkeit 
dieser Schule, welche vielmehr allgemeinere Gründe hatte. VVäh- 
rend die nnteruehmenden scharfsinnigen Florentiner durch die 
Lage und die Geschichte ihrer Stadt mehr auf das bewegte Le- 
ben, auf die mannigfaltigenErscheinungen der sittlichen Welt ge- 
richtet waren, hatten die Bewohner dieser stilleren Berggegend 
innerlichere Bedürfnisse, die Neigung zu sinnenderBetrachtung, zu  
schwärmerischer Erregung, zu ascetischem Ernst. Ihre Stimmung 
war eine weichere, ihre Richtung im Gegensatze gegen die pa- 
thetische und dramatische der Florentiner eine mehr lyrische. Sie 
verbanden mit dem Begriffe des Schönen den des Feierlichen und 
Ernsthaften  Freilich kamen die Künstler dieser Schule viel- 
fach mit denen der mächtigeren tlorentinischen in Berührung und 
1) In einem Decret der Commune von 1329 [Mi1anesiI.193) wird eine 
Bild des Pietro Lorenzetti nicht bloss als tabula honorabilis et valde pul- 
cra, sondern auch deshalb gerühmt, weil die Jungfrau Maria und die anderen 
darauf befindlichen Heiligen "seriosius" gemalt seien.  Jedenfalls ist die 
Phrase, mit der Lanzi seinen Abschnitt über diese Schule beginnt: Lieta. 
scuola fra lieto popolo, wohl bloss von der Inschrift auf dem Bilde des Guido 
(siehe oben S. 337) hergeleitet und als Charakteristik der künstlerischen 
Richtung unendlich schief.
        

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