Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-972941
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Plastik 
und 
Malerei 
in 
Pisa. 
Standpunkte betrachten liess, wobei dann die typisch gewordenen 
Motive und Gestalten sich von selbst einfauden, die auch den 
Beschauerrx längst vertraut und alltäglich geworden waren und 
daher nur leiser Andeutung bedurften. Hatte Giotto in gewissem 
Sinne die Kunst als Schrift behandelt, so schrieb man jetzt in 
Abbreviaturen; weder der Maler noch der Beschauer wollten auf- 
gehalten sein. Es bedurfte erst eines neuen Standpunktes, um zu 
erneuerter Beobachtung der Natur angeregt zu werden. 
Das einst so mächtige Pisa, dessen Bildnerschule allen 
andern Städten Italiens vorangegangen War, verlor allmälig seine 
Bedeutung. Seitdem Giotto die Verwandtschaft der Plastik mit 
der Malerei zum Bewusstsein gebracht, und Andrea Pisano sich 
in Florenz niedergelassen hatte, zog sich auch die Sculptur mehr 
hierher und zum Theil (wie wir sehen werden) nach Siena. Und 
eben so wenig erlangte Pisa eine eigne Malerschule; die Maler, 
welche im Campo santo arbeiten und viele andere, die wir hier 
beschäftigt finden, sind Auswärtige, und die Einheimischen schlies- 
sen sich den Florentinern an und sind ohne grosse Bedeutung-i). 
i) Förster, Beiträge S. 87. Rosini II. 180-182 und Bonaini a. a. O. 
p. 88 ff. geben eine Reihe von Namen, welche zum Theil auf Bildern in 
der Academie gefunden werden. Das beste unter denselben ist das eines 
gewissen Bruno di Giovanni, welcher in dem alten Malerbuche mit der 
Jahreszahl 1350 aufgeführt ist und von dem Vasari im Leben des Buffal- 
macco (II. 57) spricht, eine h. Ursula mit ihren Jungfrauen, welche die 
durch eine jugendliche Gestalt repräsentirte Stadt Pisa aus Wassersnoth 
rettet, abgeb. bei Rosini tab. XII. Die Figuren sind ziemlich steif, aber 
die Köpfe der Jungfrauen nicht ohne Anmuth und von weicher Ausführung. 
Der Johannes Nicole pietor, welcher das auf derselben Tafel gegebene Bild 
aus S. Marta malte, war nicht, wie Rosini I. 260 vermuthet, der berühmte 
Bildhauer, sondern ein späterer Maler, der sich auf einem andern Bilde mit 
der Jahreszahl 1360 nennt (Bonaini 11.94). Etwas bedeutender ist jener 
Turinus Vanni de Rigoli, dessen mit seinem Namen und der Jahreszahl 
1397 bezeichnete Altartafel in S. Paolo in ripa d'Arno neben den gewöhn- 
lichen Eigenschaften des giottesken Styls Sehönheitsgefühl und Beobachtung 
des Lebens beweist. Da Rigoli ein Dorf bei Pisa ist. so ist der Turinus 
Vanni de Pisis auf einem sehr viel schlechteren Madonnenbilde im Louvre 
ohne Zweifel mit ihm identisch. Die meisten übrigen in Pisa arbeitenden 
Maler sind Auswärtige, häufig Seneser. So ein Magister Andreuccius Bar- 
tolomei de Senis, welcher 1389 und 1390 die Sacristeischränke der Kirche
        

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