Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-972879
Agnolo 
Gaddi. 
441 
zu Pratotk) in der reichgeschmüekterl Capella della cintola, wo 
die heiligste Beliquie des Ortes bewahrt wird, der Gürtel der 
h. Jungfran , den sie der Legende zufolge bei ihrem Aufsteigen 
gen Himmel dem h. Thomas hinterliess. In dreizehn Bildern 
stellte er hier die Geschichte der Jungfrau, die Verleihung des 
Gürtels an den Apostel und die Auffindung dieser Reliquie durch 
einen Bürger von Prato, ausserdem aber an den Gewölben die 
vier Evangelisten und Kirchenväter und über dem Itlingange zwei 
Scenen aus dem Leben Christi dar. Besonders die Compositionen 
aus der Geschichte des Gürtels sind so lebensvoll und liebens- 
würdig, so voller Schönheit und Poesie, dass man sie zu den 
edelsten Werken der Schule ziihlen muss. Es ist im Ganzen noch 
die naive Darstellungsweise Giottois, welche die einzelnen Dinge 
nur nach dem Werthe behandelt, den sie für die geistige Bedeu- 
tung des Herganges haben. Die Gebäude sind noch immer ver- 
hältnissmässig kleiner als die Menschen, die Berge einzelne Steine, 
die Bäume pilzartig gestaltet, so dass nur die Cypressen sich von 
den andern unterscheiden. Aber diese Ausführung der Umge- 
bungen ist doch schon reichhaltiger, die architektonische Anord- 
nung sorgfältiger für den Zweck des Bildes berechnet. Die vor- 
herrschenden Motive zeigen oft die Traditionen der Schule und 
namentlich sind bei der Lebensgeschichte der Jungfrau die Bilder 
gleichen Inhalts in der CapelleBaroncelli in S.Croce benutzt, aber 
doch stets auf's Neue durchdacht, bald erheblich verändert, bald 
nur reichlicher ausgestattet. Auch der Ausdruck sittlicher Bewe- 
gung ist noch immer in der einfachen drastischenWeise gegeben. 
wie bei Giotto, aber die Gestalten selbst sind besser durchbildet, 
die Nebenpersonen zahlreicher, ihre Theilnahme lebendiger und 
mit naiven aus toscanischer Wirklichkeit entlehnteu Zügen aus- 
gesprochen , llllfi vor Allem die weiblichen und jugendlichen Ge- 
stalten von einer Schönheit, die Giotto nicht kannte. In Beziehung 
auf sittlichen Ernst ist der Altmeister der Schule noch unüber- 
troffen , aber in Anmuth und Lebenswahrheit sind seine Schüler 
 Förster im Reisehandbuche u. A. geben die Jahreszahl 1365 bei 
diesem Werke an, ohne dass ich weiss, worauf sie beruht. Baldinucci 
(a. a. O. p. 214] bringt nur urkundliche Nachrichten aus den Jahren 1367 
und 1384 über andere Arbeiten Angela's für die Domverwaltung "bei.
        

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