Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-972853
Agnolo 
Gaddi. 
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Vasari behandelt ihn mit augenscheinlicher Ungunst, die dann 
auf die späteren Kunsthistoriker übergegangen ist. Taddeo, so 
erzählt er, habe als angesehener Künstler und kluger Mann ein 
hübsches Vermögen erworben, dies aber für Angolo die nach- 
theilige Wirkung gehabt, dass er, obwohl talentvoll, sich ver- 
nachlässigt, ungleich gearbeitet, daneben Handelsgeschäfte ange- 
fangen, seine Söhne denselben gewidmet, sich bei einem dersel- 
ben, der sich in Venedig etablirte, oft aufgehalten, und die Kunst 
eigentlich nur als Zeitvertreib geübt habe. Allein schon die Reihe 
von grossen malerischen und architektonischen Werken, die Va- 
sari selbst ihm beilegt, ist damit nicht wohl zu vereinigen und 
noch Weniger der innere Werth der noch erhaltenen, schon recht 
umfassenden Werke. Es scheint fast, dass der Vater der Kunst- 
geschichte in seinem Bemühen, den Biographien durch morali- 
sche Beziehungen Interesse zu geben, sich unsern Angelo als 
Warnendes Beispiel für die Nachtheile des Reichthums erkoren 
und_diesem Zwecke auch einen Einfluss auf die Würdigung seiner 
VVerke gestattet hat. Sie haben eine viel höhere Bedeutung als 
er ihnen einräumt. Angelo zeichnet und modellirt richtiger, als 
seine Vorgänger, vermeidet die grauen Schatten der Augenhöhlen 
und des Halses, welche bis dahin beibehalten Waren, sucht die 
Leidenschaften mässiger auszusprechen und bildet überhaupt die 
Empfindung für das Schöne und Anmuthige mehr aus. Wenn 
er in der Darstellung des Pathetischen, im Ergreifenden nicht 
bloss Giotto, sondern auch mehreren seiner eigenen Zeitgenossen 
nachsteht, so haben seine Compositionen dafür durch die Fülle 
naiver und liebenswürdiger Züge, die er einmischt, einen poeti- 
schen Reiz andrer Art, in gewissem Sinne eine höhere Lebens- 
Wahrheit. Er schlägt schon die Richtung ein, die später durch 
Benozzo Gozzoli weiter ausgebildet wurde. Seinem Colorit gönnt 
selbst Vasari ein Wort des Lobes und Cennini spricht es als 
des Tractets des Cennini, 1859 pag. X. Nach der Anekdote, welche Vasari 
im Leben des Taddeo erzählt, dass dieser bei seinem Tode seine Söhne 
an Jacopo da. Casentino und Giovanni da. Melano als Vorbilder für Sitte 
und Kunst gewiesen habe, sollte man glauben, dass auch Angele damals 
noch sehr jung gewesen. Im Leben des Agnolo verlegt er aber mehrere 
grosse Arbeiten desselben schon in die Jahre 1346 und 1348 und lässt ihn 
63 Jahre alt sterben.
        

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