Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-972848
frau sind auf der Vorderseite am Friese und Basament eine Menge 
von Halbiigureu, dort Engel und Heilige, welche die Jungfrau 
preisen, hier Propheten und Tugenden angebracht, zum Theil von 
grosser Schönheit, die jedoch in den Reliefs einigermassen durch 
das Bestreben nach naturalistischer Wahrheit der Körper und 
Gewänder und nach starkem leidenschaftlichemAusdrucke beein- 
trächtigt wird. Das Bedeutendste unter den Reliefs ist das auf 
der Rückseite der Altarwand, Tod und Assumtion der Jungfrau, 
WO die Sterbende selbst sehr edel und zart, die Apostel aber in 
ihrem Schmerze mit grosser, aber freilich auch hier fast an Ueber- 
treibung streifender Wahrheit dargestellt sind. 
Neben den umfassenden künstlerischen Unternehmungen in 
seiner Stadt hatte Orcagna auch ausserhalb eine ähnliche XVirk- 
samkeit,'uamentlich am Dome von Orvieto, wo man ihn zuerst im 
Jahre 1357 zu einer Begutachtung über die Mosaiken der Facade 
einlud, dann aber auch zum Obermeister des Baues oder doch 
wenigstens der musivischen Arbeiten ernannte, ein Auftrag, dem 
er sich, sobald es der Fortschritt von Orsanmichele gestattete, 
eine Zeit lang widmete und dabei die Ausführung eines jener 
Mosaiken, der Vermählung der Jungfrau, selbst übernahm  
Ueberblicken wir die Leistungen dieser Künstler, die An- 
muth und Reinheit des Andrea Pisauo, den mehr sinnlichen Lieb- 
reiz in den Gestalten seines Sohnes Niuo, die himmlische Freudig- 
keit und den romantischen Zug in den Fresken Orcagnäs, so ist 
es begreiflich, dass die 'l'radition giottesker Auffassung, wie sie 
Taddeo Gaddi treu bewahrt und in seinem langen Leben zahlrei- 
chen Schülern überliefert hatte, sich nicht unverändert erhielt. Der 
erste, bei dem wir dies wahrnehmen, ist Taddeds eiguer Sohn, 
Agnolo Gaddi, dessen Geburtsjahr wir nicht keimen, der aber 
1396 wahrscheinlich ziemlich bcjahrt starb und daher beidem Tode 
des Vaters (1366) jedenfalls schon ein Mann sein musste im). 
4'] Vergl. die Auszüge des Padre della Valle, wonach er besonders an 
den Mosaiken beschäftigt scheint (cf. d. Anm. in seiner Ausgabe des Vasari 
II. 253), mit dem Schreiben der Signoria von Florenz an die Stadt Orvieto 
v. 1360 bei Gaye Cart. I. 512, in welchem seine verzögerte Ankunft wegen 
des Baues von Orsanmichele entschuldigt wird. 
"gj Sein Todesjahr ist erst neuerlich durch die Brüder Milanesi aus 
den Todtenregistern nachgewiesen. Vergl. ihre Vorrede zu ihrer Ausgabe
        

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