Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968703
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Italien 
im 
XIII. 
Jahrhundert. 
sucht und die Jünglinge drängten sich eben so sehr aus uneigen- 
nütziger Begeisterung als mit ehrgeizigen Absichten um die Lehr- 
stühle berühmter Meister. So kam es, dass Bologna als die erste 
Schule des Rechts sich längere Zeit einer gewaltigen Frequenz, 
Wohl von zehntausend Studenten, erfreute und dadurch auch den 
finanziellen Werth solcher gelehrten Anstalten sehr lockend zeigte. 
Friedrich II. konnte der Universität Neapel, seiner Stiftung (1224) 
Privilegien geben, Welche sie gegen Concurrenz schützten, unter 
den norditalienischen Republiken aber hatte jede gleiche Rechte 
und es entstand daher bei vielen der VVunsch nach solchen An- 
stalten. Modena machte schon 1189 den Anfang, dann folgte 
1204 Vicenza , darauf Padua, das rasch eine bedeutende Blüthe 
erreichte, dann Arezzo, Treviso, Pisa, Pavia und viele andre, 
mit bald grösserem, bald geringerem Erfolge. Bologna versuchte 
die Professoren durch Eide zu fesseln, aber solche Eide liessen 
sich auslegen und umgehn, und es kam zuletzt darauf an, die 
Lehrer durch Geschenke und Ehrenbezeuguxigen, die Studenten 
durch grössere Vortheile und Bequemlichkeiten anzulocken. Es 
War ein kleiner Krieg, der mit allen Waffen der List und Kühn- 
heit geführt wurde. Wiederholt geschah es, dass berühmte Pro- 
fessoren mit ihrenZnhörei-n, ja, dass ganze Hochschulen aus 
einem Orte auswanderten und sich an einem andern niederliessen, 
und dass neidische oder gewinnsüchtige Städte durch dazu ab- 
gesandte Agenten Intriguen siifteten und Anerbietungen machten, 
um solche Auswanderung zu ihren Gunsten herbeizuführenät). 
Es ist nicht zu bezweifeln, dass bei diesem Streben nach dem Besitze 
von: Hochschulen die Rücksicht auf pecuniären Gewinn vor- 
herrschte. Indessen sprachen doch auch edlere Motive mit, die 
Sorge für die Belehrung der Bürger und die Empfänglichkeit für den 
Werth der Wissenschaft und geistiger Leistungen. Das Städtchen 
h] Sehr interessant ist der Vertrag, den die Abgesandten der Stadt Vercelli 
im J. 1228 zu Padua selbst mit den Reetoren der s. g. Nationen schlossen, um 
sie zu einer Uebersiedelung zu bewegen. Die Stadt verpflichtet sich unter 
Anderm zu 500 Studentenwohnungen, zu der nöthigen Zahl von Bücherhändlern 
und Abschreibern etc. Tiraboschi (Firenze 1806) Vol. IV. Cibrario, Economia 
politica II. 305. Die Auswanderung hatte wirklich statt, so dass Padna mehrere 
Jahre ohne Universität blieb.
        

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